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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 44

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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158 BAMBUS, DAS JÜDISCHE VOLK UND SEINE JUGEND II Die folgenden Ausführungen follen weder eine eingehende Würdigung des Pofitiven in Bernfelds Buche erfetzen noch eine um* falTende Kritik feiner Erziehungsutopie bilden/ es foll hier nur mit wenigen Strichen ein mondfcheinfüchtiges Gebilde ins Tageslicht ge* rückt werden. Ich greife den Hauptteil des Werkes heraus, die Vorfchläge zur praktifchen Verwirklichung: »Im Anfang war die Utopie«. Am Ende feines Buches heißt es: »Sehr reich müßte das jüdifche Volk fein, um jenes Leben feiner Jugend zu gewähren, das fie haben muß. Diefer Reichtum iß fomit ein pädagogifches Pofiulat. Kein Volk der Welt belitzt diefen Reichtum, unfer Volk am wenigßen.« Ich aber frage mich: was foll uns diefer unverantwortliche, feichte Idealismus, diele Fernßenliebe, die Geh in pathetifchen, nie zu realifierenden Forderungen überfchlägt? Die Gehirne der Jugend, die zu ihrem Führer aufblickt und fich eine gangbare Wegweifung von ihm er* hofft, werden umnebelt und verwirrt. Da iß keine Verpflichtung zur Tat, kein Ruf zur Erfüllung der Nächfienliebe, die Gegenwart und den Alltag mit tieferen und fcfaöneren Werten zu erfüllen. Auf die Zukunft wird billig vertrößet: »wenn wir ein reiches Volk fein werden«. Was hützen unferm Volke Erziehungs*Maximen für eine Elite*Gruppe? Wir Juden empfinden zutiefß fozial, und nur der darf uns ein Führer fein, der für das ganze Volk Wege zur Regeneration, zur Bereicherung und Beglückung weiß. Wie eine Karikatur mutet diefe Vorbedingung des Reichtums an bei der gegenwärtigen Bedrängnis aller Juden ringsumher. Im erßen Teile des Buches werden wir mit den Methoden von vier großen Reform*Pädagogen bekannt gemacht, deren Bedeutung und Wert für die allgemeine Volkserziehung ich nicht antaßen will. Aber ich möchte einen unbekannten fünften nennen, —* feine Grundfätze gleichen denen der Anderen den kürzlich verßorbenen Holländer Lichtwart. Als die Haager Stadtverwaltung ihrem größten Erziehungs* meifier im Volksfchulwelen anbot, ein Haus mit lanitären, modernen Schuleinrichtungen und fchönen KlalTenzimmern zu bauen, die Anzahl der Kinder in den Klaflen feiner Volksfchule auf die Hälfte zu re* duzieren, ihm, nur ihm alle möglichen Erleichterungen für den Linter* rieht zu bieten, da lehnte Lichtwart dies Anerbieten dankend ab mit der Begründung: »Wenn meine Methode fich im allgemeinen Not* fiand der Volksfchule nicht erweifen und bewähren kann, fo iß fie nichts wert.« Auch die nach den modernßen Prinzipien geleitete Privat* fchule der Wohlhabendßen im Haag verdankt Lichtwart ihre beßen Anregungen, er felbfi aber blieb Volksfchullehrer und Leiter bis an fein Lebensende. Taufenden von Kindern war er die Leuchte auf den mühevollen Pfaden des Alltags. Faß nichts Schriftliches hat er hinterlaflen, nur in die Herzen der Lehrer hat er feine heiße Liebe und feine pädagogifchen Erkenntnifle gepflanzt. Möge uns beim Auf*

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