Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2827066-2827074-2827077--0576-2827680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
STRAUS, DAS JÜDISCHE VOLK UND SEINE JUGEND 157 letzten Tiefen/ Werke die mehr Pfychologie enthalten, als je durch die bell ausgebauten experimentellen Methoden*) zu tage gefördert werden kann. Vor allem aber werden fie ihnen die Augen öffnen über das Buch, was uns am meiften gegeben hat und weiter am meiften geben wird, wenn wir verßehen, es zu lefen, nämlich die Bibel, die Stanley Hall fihlechthin als das »große pfychologilche Lehrbuch derMenlchheit« bezeichnet. Der Jüngling wirdf in einer Schule, die alle Arbeits* und Er* holungsmöglidbkeiten bietet, die die gleiche Fülle von Lehrfächern hat, wie der ßernfeld'iche Jugendbereich, die ebenfo auf Selbßverwaltung und Selbßregierung der Schüler aufgebaut iß, ganz er felbfi fein können. Mädchen und Knaben werden getrennt [ein, uralter jüdifcher Tradition entfprechend und den Erkenntniflen und Beobachtungen der bedeutend* ßen neueren Pädagogen**). Unter den Lehrern werden Perfönlichkeiten fein, die zu dem einen oder anderen Schüler in ein Verhältnis treten, das dem des Bernfeld'fthen Führers und Geführten entfpricht. Andere werden ihn unter den großen Männern des Landes finden, zu deren Wirken fie genau wie die übrigen Erwachfenen, die Bernfeld fo fäiön die »Geleiteten« nennt, gelangen können. Diefes Verhältnis wird ebenfo fruchtbar fein, wenn es ohne jede äußere Dokumentierung beßeht, gemäß der Seele des Jünglings, die ebenfo zurückhaltend verfchloflen wie leidenfchafilidi iß. In der Familie und Gefelllchaft wird dem Jugendlichen eine Stellung zugeßanden, die der entfpricht, die der dreizehnjährige im altjüdifdien Haufe einnahm, und die meilenfern iß von der künßlich gedrückten, die er jetzt im bürgerlichen Haufe einnimmt. Die unausbleiblichen Reibungen werden feine Kräfte fiählen, fein Wille — jeder Wille erßarkt nur an Widerßänden — wird nicht krank werden in der feelifchen Treibhauslufi eines eigenen Bereichs, der die an fich fchon fo große Neigung der jüdifchen Jugend zu Egocentrizität ins Unge* melfene ßeigern würde***). Daß er nidht nur im Bereich feines eigenen Dunfikreifes atmet, daß er auch die Schwere der irdifchen Mächte, die der Verwirklichung der Ideen widerßreben, erlebt, wird ihn nur fähiger machen, die Rolle im Leben des Volkes zu fpielen, die Bernfeld ihm wünfcht. »Die Stätte, wo die Jugend wohnt, iß dem Hohen geweiht und fie felbß hat die unablehnbare Aufgabe, ihm zu dienen, es herunterzureißen aus feinem metaphyfifchen Dafein über der Welt und hinter den Dingen, es hineinzußellen, verwirklicht, mitten in die Welt«, aber nicht »in einem abgefonderten umfriedeten Heim« <-* diefe Verwirklichung verdiente ihren Namen nicht mehr ~* fondern wirklich »mitten in der Welt«. Müncßen ERNA JTRAUS •> Diefe Methoden behalten deswegen doch ihren großen Wert für die Erfor* fchung der Technik des Geiftes und damit für die Vervollkommnung der Lehrmethode. ••> Stanley Hall.' »Die ideale Schule«: »Die Gelchlechter werden jetzt eine Zeit lang faß vollßändig getrennt. Sie fangen an in jeder Zelle und jedem Gewebe von einander abzuweichen.« •••> Wer lieh in die Wechfelbeziehungcn zwifchen Erziehung und Gemeinfchaft vertiefen will, dem fei das Buch von Paul Natorp »Sozialpädagogik« empfohlen.