Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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154 S7RAUS, DAS JÜDISCHE VOLK UND 'SEINE JUGEND Mit vier Jahren kommt das Kind ins Kinderhaus, um*dort bis zum 13. Jahr zu bleiben. Im unteren Zimmer — <die Bezeichnungen find dem Cheder entlehnt) bleibt es* bis zum 8. Jahr. »Hier wird die na* türliche Freiheit zu einer ßeten und intenfiven Selbßtätigkeit der Kinder. Sie find aktiv und faß felbfiändig. Sehr früh erlernen die Kleinen alle Handgriffe ihres täglichen Lebens: Ankleiden, Wafchen, Eflen, ihre Tifchchen decken und abdecken, Ordnung in den Zimmern, Schränken, Regalen — denn all das iß nicht Pflicht für fie, fondern nichts als Aus* fluß ihrer ungehemmten Selbßtätigkeit«. An anderer Stelle fpricht der Verfafler aber doch von »allgemein verbindlichen Gemeinfchaftstätigkeiten«, fo daß wir keine klare Vorßellung bekommen, ob er in diefem Alter Erfüllung von Pflichten verlangt oder nicht, — auch über die Anwendung von Strafen, insbefohdere der Prügelfirafe iß keine irgendwie durch* dachte Anficht wiedergegeben. Überall iß das praktifch Pädagogifche in den Hintergrund gedrängt zu gunfien des rein Organifatorifchen. »Den veränderten Bedürfniffen der höheren Altersßufe entfprechend iß das obere Zimmer beherrfcht vom Erkenntnistrieb und der Ein* fügung in die Gefamtheit. Und in der Geßaltung des Lebens der fieben*bis dreizehnjährigen iß den jüdifchen Pädagogen ein Werk, ein Wunder beinahe gelungen, auf das fie mit Recht fiolz find. Jedes Kind lernt nur fo viel und fo lange es will, es gibt keine Aufgaben, keine Prüfungen — orthographilche Fehler werden gelegentlich gefprächsweife angemerkt — und doch wiflen die judäifchen Kinder von dreizehn Jahren erheblich mehr als die gleichaltrigen europäifchen«. — Diefes Wunder iß dadurch gelungen, daß »die wiflenfchafilichen Pädagogen in Erez Israel eine den Tatfachen der natürlichen geißigen Entwicklung völlig angepaßte Methodik für alle üblichen Unterrichtsgegenfiände ausgear* beitet haben, die im gegebenen Fall zur Anwendung gelangt«. »Den geißig fittlichen Mittelpunkt des Kinderlebens im Haufe bilden die Feße: Chanukah, Peflach, Sukkoth und allwöchentlich Sabbath* Eingang. Wider Erwarten fchnell haben diefe ehemals religiöfen Familienfeße lieh im alt*neuen Lande in geifiige Nationalfefie verwandelt, fobald nur die Zahl der jüdifchen Bewohner Paläßinas beträchtlich ge* worden war«. — Man muß fagen, daß diefer Gedanke der am meifien utopifche des ganzen Buches iß. Das dreizehn* bis vierzehnjährige Kind fiedelt über in den Jugend* bereichund wir kommen damit fort aus dem Bereich des »grünen Tifches«, an dem das Vorhergegangene gefchrieben war, in ein Gebiet, zu dem der Verfafler fichtlich wärmere Beziehungen hat. Hier iß wirklich ein Paradies der Jugend gefchildert, das alles enthält, was das Land an Kulturfiätten befitzt: Theater, wiflenfchafiliche Infiitute, künßlerifche Ateliers, Bibliotheken, Parkanlagen und Wandelgänge von erlefener Schönheit, landwirtfehafiliche und indufirielle Lehrbetriebe, Haushaltungs* fchulen und eine Lehrwerfi, in der Schiffahrt und Fifchzucht erlernt werden können. Dabei vollkommene Lernfreiheit, auch die Freiheit, Bündnifle Gleichgerichteter zu bilden, die fich felbfi Führer erwählen und die befonderen Idealen dienen. Und als Krone und fiärkfier Faktor der Erziehung: das Zufammenleben mit den beßen, weifefien Männern