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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 39

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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S7RAUS, DAS JÜDISCHE VOLK UND SEINE JUGEND 153 feine Ziele den Schwung eines heißen Herzens und eines ftarken Willens. Aber um fo größer iß nadiher die Enttäulchung. Nach der treffenden Kritik deffen, was iß, nach der tiefschürfenden, erlchöpfenden Formulierung delTen, was er anfirebt, gibt er Vorfihläge zur Durchführung, die im ganzen nicht viel weniger Pedanterie, Wirklichkeitsferne und Unkenntnis der tiefßen Zufammenhänge der menlchlichen Natur zeigen, als das ihm fo verhaßte, bürokratifdi^bürgerliche Syßem. Alfo beginnen wir, das Kapitel, vom VerfalTer »Die Utopie« benannt, kurz zu fkizzieren. Gründlich und umfaflend fängt er vor der Geburt des Kindes an. Schon im fünfien Monat geht die Mutter in das Mütterheim, wo fie bis zur Entbindung —- und auf Wunich noch fünf weitere Monate — Pflege, Ruhe, Kleidung, Nahrung, auch Lektüre über Hygiene*) und Pädagogik — bekommt, alles auf Koßen des Staates, der unermeßlich reich gedacht wird. Wenn fie das Heim verläßt, bleibt das Kind dort, oder fiedelt ins eigentliche Säuglingsheim über, denn »es hat fich fehr bald im Lande die Qber^ zeugung verbreitet, daß die Aufzucht der Kleinßen ein überaus wichtiges eugenifches und hygienifches Problem iß, zu deflen Bewältigung der Dilettantismus der Familie nicht ausreicht«. Die Eftern dürfen das Kind in ihren Mußefiunden befuchen. Mit einem Jahr fiedelt es in das Kleinkinderheim über,- die Haupt* mahlzeit des Tages darf es bei den Eltern einnehmen, auch dort fchlafen, »wenn fie nachweifen, daß in ihrer Wohnung Raum, Licht und Lufi vorhanden, und daß Ernährung, Kleidung und Behandlung ent* fprechend iß«. »Die Leiterin des Heims hat insbefondere Spiel und Befchäfiigung der Kleinen zu geßalten. Dabei iß ihre Aufgabe keineswegs eine vordringliche Aktivität. Vielmehr fcheinen gerade die tüchtigßen Klein* kindererzieherinnen am wenigfien zu erziehen. Sie befchränken fich völlig darauf, von den Kleinen geliebt zu werden, mit ihnen zu fpielen, zu fingen, zu fprechen und fie dabei intenfiv zu beobachten. Unter ihrer Leitung fließt das Leben des Kindes natürlich und heiter, dennoch geleitet und irgendwie vertieft, faß könnte man fagen, gemacht.« Nun, diefes Idealbild läßt an Schönheit nichts zu wünfchen übrig —* und kommt uns überdies merkwürdig bekannt vor. Worin unterfcheidet es fich von denen, die Comenius, Salzmann, Peßalozzi und Fröbel zeichneten? Übrigens hat die Mutter hier einige Chance, ihre Kinder felber zu erziehen, nämlich, wenn fie als Mädchen die Approbation als Erzieherin erlangt hat und die Kinder der Nachbarsfamilien mit übernimmt. Nach fpäterer Fällung muß fie überdies noch die Doktor* würde der pädagogifdien Fakultät erworben haben. — Wie entfetzlich pedantifch! Ich würde vorfchlagen, es umgekehrt zu machen, nämlich wie die amerikanifdhe Univerfität Philadelphia, die einer wiflenfchafilich ganz unvorgebildeten Mutter den Doktorhut verlieh für ein befonders gut geführtes Tagebuch über ihre Kinder. — •> Der Zweck ift nicht erfichtlich, da die Mutter ipäter auf Pflege und Erziehung doch keinen Einfluß haben wird.

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