Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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152 37SAUS, DAS JfljpISCHE VOLK UND SBINE JUSEKD DAS JÜDISCHE VOLK UND SEINE JUGEND*) Es war einmal ein Goldlchmied, der hatte fdiones rotes Gold und wollte daraus eine Kette machen,- aber während der Arbeit ging ihm das edle Metall aus und weil die Kette fertig werden follte, nahm er Blech dazu und fo wurde feine Arbeit — trotz erlefenßer Schönheit einzelner Teile — eine verwirrende und verßimmende Folge von echten und fallchen Gliedern. — Dr. Siegfried Bernfeld hat ein Buch über das jüdifche Volk und feine Jugend geichrieben. Er verfucht darin, »aus den jüdilchen Bedingungen das jüdißhe Erziehungswefen zu zeichnen und zu fördern«. Es foll im fchärffien Gegenfatz ßehen zu dem, was der Autor zufammenfalfend das europäilche nennt. BundesgenolTen und Vorbilder lind ihm die Pädagogen, die im Karhpfe gegen diefes Syftem flehen, Gufiav Wyneken, Berthold Otto", Maria Monteflbri und Granville Stanley Hall. Mit S[utem Grund nennt Bernfeld Wyneken an erfter, Hall an letzter Stelle, n feinem Buch iß fehr viel Wyneken, fehr wenig Hall und wo die Meinungen der beiden differieren — was in fehr wefentlichen Punkten, z. B. in ihrer Anlicht über Coeducation, der Fall ifi hat lieh der Autor immer für Wyneken entfehieden, zum Schaden des Buches. Überhaupt ift diefe Auswahl pädagogilHier Vorbilder, für die das Kriterium die Stärke der revolutionären Gelte war, fehr angreifbar. Männer wie Kerfthenßeiner, Förßer, Lietz werden abgetan mit der Bemerkung, daß zwar manche von Bedeutung feien, aber lie feien »um den Preis der augenblicklichen Realisierungsmöglichkeit von der Macht und ihrer Schule gekaufi und gefangen«. Welche Verkennung von Männern, die Syfieme nicht von außen zufammenhauen, fondern von innen heraus fprengen wollen, nicht die Menlchen durch das Syfiem ändern wollen, fondern umgekehrt erfi die Menfdien, und dabei mit Einwirkungen beginnen, die ewig und unter allem Syfiem gleich wirkfam find, wenn fie nur von den richtigen Perfönlichkeiten in der richtigen Weife gegeben werden**). »Erfie Aufgabe des Erziehers muß — nach des Verfaffers eigenen Worten — die Kenntnis des Objektes feiner Tätigkeit fein«. Die ver* führerifthe Gewalt und Schönheit des Buches liegt darin, daß der Verfalfer diefe Kenntnis in hohem Maße befitzt. * Seine Worte vom Wefen des jungen Menlchen find von hinreißender Echtheit, feine Unterfifieidung von Kind und Jugendlichem und Jugendlichem und Er* wachfenem zeigen liebevollfie Vertiefung und pfychologilchen Scharfblick, •> Das jüdifdie Volk und feine Jugend, von Dr. Siegfried Bernfefd. Verlag S. Löwit, Wien und Berlin 1919. *•> Diefe Männer fangen dort an, wo Bernfeld aufhört. Sie fachen die eigentlieh pädagogißhen Probleme zu löfen, auf die Bernfeld garnidit eingeht/ wo er lie überhaupt ßreift, verweift er auf die pädagogifche Fakultät der paläitinenfifdien Univerfität.