Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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150 RIWKIN, DIE ZIONISTISCHE STUDENTENSCHAFT IN XUSSLAND hemmungslos alle politifchen Fragen zu löfen. Den ruffifchen Zionilten iß die Kunß, zu gehordien, die in den ruffifchen Verhältniffen der zionifiifihen Arbeit einzig den Erfolg der Tätigkeit der Zentralorgane ficherßellen kann, unbekannt. Indem fie im Zionismus nidit nur die Aufgabe, die Lage des unglücklichen Volkes zu verbeflern, fondern auch die Veränderung des Golus ^Elements in ein paläßinenfifihes zu erreichen, erblickt, ßrebt die »Chedera« fchon hier im Golus danach, durch ihre gemeinfame Erziehung und die Herausarbeitung fester Prinzipien würdige Träger, Subjekte der jüdifchen Wiedergeburt zu Ichaffen. Der gebildete jüdifche Akademiker, der dem Ideal der Wieder* f*)urt ergeben iß, ericheint nicht nur als Objekt der Bewegung zur iederherfiellung des einfiigen Israel, fondern er muß auch felbß aktiv wirken auf den ganzen Geiß und den Charakter der Wiedergeburt der jüdifchen Perfönlichkeit und der neujüdifchen Lebensform. In Rußland entwickelt fiefa die Ideologie des neujüdifchen Elements unter vollkommen anderen Bedingungen als im Weßen. Der jüdifche Akademiker muß nicht nur die Affimilation überwinden, fondern auch kraft des Glaubens an die jüdifche Wiedergeburt des Golus mit feiner Pfychologie des geprügelten Sklaven ausfeheiden. Diefe inneren Reibungen, die bei der Nebeneinanderßellung des Zionismus mit dem Golus, d. h. mit dem Lebenszufchnitt und den Lebensbedingungen der jüdifchen Malfe, entfiehetf, rufen einen inneren Konflikt bei dem jüdifchen Akademiker hervor. Auf Schritt und Tritt gerät das neu* jüdifche Element in Konflikt mit den Gewohnheiten und Neigungen des Golus. Die Schaffung eines neuen Gefchlechts zionifiifcher Akademiker, das fähig wäre, nach eigenem Gefchmack ohne jeden äußeren Einfluß auf die Reinheit feiner Idee zu handeln, wird allen diktiert durch die äußere Lage Rußlands, wo die Herrfcfaaft eines geradlinigen, folge* richtigen hifiorifchen Materialismus nicht fpurlos vorübergehen konnte an der zionißifchen Jugend, die von ihm die wirtfchaftlidaen Theorien entlehnt und in ihren ideologifchen Beßrebungen die Tendenz zur Übernahme der Methoden und Pläne der ruffifchen Theoretiker befitzt. Kleine Gruppen, die in fidi gefchloffen find, können' den ruffifchen Zionismus davon befreien, daß er zu einer Funktion der ruffifchen Wirklichkeit werde, und können die Idee der jüdifchen RenailTance rein erhalten. Um aber nicht den Zufammenhang mit dem Leben zu verlieren —' denn jede in fich abgefchloflene Gruppe kann fich vom Leben ent* fernen und in der Sphäre ihrer eigenen Welt leben —, mülfen diefe Gruppen durch alle räden verbunden fein mit dem lebendigen Leben, mit all ihren Freuden und Leiden, mit ihren Trauer* und Fefitagen. Früher bedeutete der Eintritt in die zionißifche Organifation ßets den Bruch mit den alltäglichen Interelfen. Der junge aktive Akademiker mußte nur für jene Interelfen leben, die ihm das Parteileben geben kann: wieviele Stimmen irgend jemand bei der Wahl erhalten hat, wo es belfer fei, die Anfchläge für die Verfammlungen anzubringen, in welchem Ton die Mitteilungen über die Verfammlungen abgefaßt