Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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144 iittimK t>m ztömsmcm stuDüNtENSCHAti ta mJsiAMb den* über alles und jedes verhandelt und in dem nichts be* fönders erörtert wurde, Den allergeringfien Teil der Äufmerkfamfceit widmete der Kongreß den Organifationsfragen des »Hechawer«, und in diefem Sinne brachte er keinerlei Löfung des akuten Organifations* problems. An diele Frage trat man in der in der ruflilchen Revolution üblichen Weife heran, und der Streit wurde ausfihließlich um das Thema geführt: foll der »Hechawer« der einheitliche einzige Vertreter der zioniftilchen Studentenfihafi in Rußland bleiben oder fich in fich felbß nach Fraktionen gliedern und fich nur vereinigen zur Arbeit im akade* milchen Leben, d. h. zum Schutze des Zionismus innerhalb der Hoch* Ichulen? Brennende, im Mittelpunkt fiehende Fragen waren nicht rein akademilche Angelegenheiten, iondern folche Fragen in bezug auf den »Hechawer«. Als Beifoiel kann die damals in Rußland aktuelle Frage der jüdilchen Legion, die in England von Jabotinski organifiert worden war, dienen. Sie erhitzte die Gemüter des Kongreffes am meifien. Die Abgeordneten trennten fich zur Heimkehr ohne befiimmte Direktiven von Seiten des Kongreffes. Der Kongreß hatte dem ge* wählten Zentralkomitee nichts Konkretes aufgetragen, und daher hielt, als in Rußland die äußeren Ereigniffe zur Entfaltung kamen und das Land in voneinander ifolierte territoriale Teile zergliederten, der Ichwache organifatorilche Zufammenhang des »Hechawer« nicht fiand, und es begann fein Zerfall. In Petrograd war das Zentralkomitee nicht mehr imfiande, den »Jewreiski Studjent« ericheinen zu laffen, der fowohl durch feine Auflageziffer als auch durch feinen Inhalt ein Gradmeffer für die Kraß des »Hechawer« gewefen war. In der Provinz verließen die Glieder und Leiter des »Hechawer« feine Reihen und Ichloffen lieh entweder den »Zeire^Zion« an oder widmeten fich der allgemeinen zioniftilchen Arbeit. Die Tätigkeit des »Hechawer« wurde mit jedem Tage Ichwächer, und gegenwärtig zählt man kaum ein halbes Dutzend Abteilungen in der Provinz und den Hauptßädten. Nur da, wo noch zufällig frühere Leiter des »Hechawer« vorhanden find, fpürt man noch etwas Leben. So z. B. befieht in Kiew bis auf den heutigen Tag eine Abteilung des »Hechawer«, deren Exifienz man an feltenen allgemeinen Verfammlungen der Mitglieder merkt. In der großen Mehrzahl der Fälle aber beßeht der »Hechawer« dort, wo er Früher exißierte, nicht mehr. II Die Tätigkeit des »Hechawer« in der vorrevolutionären Zeit hatte die klare und befiimmte Aufgabe, durch Heranbildung feiner Mitglieder zur Kenntnis der Paläfiina * Fragen, der Gelchichte des Zionismus, der Gefchichte des jüdilchen Volkes und der hebräifefaen Sprache einen Stamm gebildeter zionifiifiher Vertreter zu Ichaffen, die in Zukunft imßande feien, an Ort und Stelle die leitenden Pofien zu übernehmen oder richtiger: unmittelbar das perfönliche Leben mit Paläfiina zu verbinden. Die Erziehungsarbeit fand in kleinen Gruppen ftatt, den fogenannten Sektionen, wo zehn bis fünfzehn Mann den Kurfus irgendeines der genannten Fächer übernahmen und mit Hilfe