Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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niWKJK DTE ZIONISTISCHE STUDENTENSCHAFT IN RUSSLAND 143 » - - - ----;.............. Die örtliche Arbeit, befonders in der Provinz, begann in fchnellem Tempo vorwärts zu fdhreiten. Abteilungen des »Hechawer« wurden eröffnet im Kaukafus und in Sibirien. Der Durchführung der Organifationsprinzipien waren die Bedingungen des zarifchen Regimes förderlich, die eine Verfdimelzung des »Hechawer« mit Mitläufern nicht zuließen. Es war im Gegenteil wegen der illegalen Exißenz des »Hechawer« notwendig, fich in kleine Gruppen von einander gut bekannten Gefinnungsgenoffen zufammenzufchließen. Die Verzweigtheit des »Hediawer« konnte jedodi der zarifchen Polizei nicht länger unbemerkt bleiben, und im November 1916 wurde er nach einer ganzen Reihe von Hausfuchungen und Verhaftungen entdeckt. Um die Organifation nicht vollßändig vernichten zu laflen, mußte man möglichß wenig nach außen hervortreten und es den ein* zelnen örtlichen Organifationen überlaffen, felbßändig ohne jede allge* meine Leitung weiter zu exißieren. Diefe anomale Exißenz der Organifation, bei der ihre einzelnen Mitglieder voneinander abgelehnten waren, dauerte infolge des Ganges der Ereigniffe nicht lange. Im Februar 1917 brach die ruffifihe Re* volution aus, die die Koalitionsfreiheit brachte, und der »Hechawer« beginnt ein neues Kapitel feiner Exißenz unter freien Bedingungen. Die Arbeit des »Hechawer« wird nun aus den Studentenzimmern und Privatwohnungen in zahlreich befuchte Verfammlungsfäle hinaus* getragen. Er tritt in das ruffilch^jüdilche akademilche Leben als einziges organifiertes Gebilde, und bereits in den erßen Monaten der Revolution übertrifft fein zahlenmäßiges Wachstum die kühnfie Phantafie. In Odeffa z. B. fieigt die Zahl der neu beigetretenen Mitglieder bis auf 1200, und hinter Odeffa bleiben die anderen Univerfitätsfiädte nicht zurück, wo fich die Mitgliederzahl von Dutzenden zu Hunderten ßeigert. Zugleich mit dem zahlenmäßigen Wachstum des »Hechawer« be* ginnen auch neue Strömungen und neue Projekte in ihn einzudringen, die ihm durch die ruffifche Revolution und die ruflilchen Verhältniffe aufgepfropft werden. Zur Löfung aller zur Reife gelangenden Auf* gaben mußte man in kürzeßer Zeit einen Kongreß einberufen, der in erfier Linie neben anderen Fragen eine neue Exißenzform für die quantitativ fo gewach fene Organifation finden mußte. Diefer Kongreß fand in Petersburg im April 1917 ßatt. An ihm nahmen Vertreter aller Univerfitätsßädte Rußlands teil. Es waren auch Abgeordnete aus Tomsk, Rofiow und Perm da. Im ganzen waren es fünfzig Ab* geordnete. Der neue und bunt zufammengewürfelte Beßand des »Hechawer« fpiegelte fich fofort in den Arbeiten des Kongreffes wieder. Der Kongreß begann fich mit den verfchiedenartigßen Fragen zu befallen, beginnend mit rein fiudentifchen Angelegenheiten und endigend mit den Fragen der ruflilchen verfalTunggebenden Verfammlung und der Friedens* konferenz inbezug auf ihre Berührungspunkte mit der, jüdifihen Politik. Die Arbeiten des Kongreffes dauerten über eine Woche, aber ihre Produktivität fiand im umgekehrten Verhältnis zur Zahl der Sitzungen; Der Fehler des Kongreffes war fein zu allgemeines Programm, in