Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
81% known words query
IRI
…/2827066-2827074-2827077--0560-2827664
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

PtftßCIN, t>H ZIONISTISCHE STüDENtENSCHÄft IN XZ/SSlÄNb 141 »demokratifiert« die jüdifchen Gemeinden, die fchon in'den Tagen der Revolution auf der Grundlage allgemeiner Wahlen gefdiaffen wurden, konfisziert die jüdifchen öffentlichen Gelder, ertötet faktifdi durch aller* hand Anordnungen die Möglichkeit jedweder jüdifdien öffentlichen Arbeit und paralyfiert fie vollßändig. Das zionifiifdie Leben der jüdifchen Studentenfdiaft in Rußland konnte lieh breit entfalten erß als in feiner Mitte die fogenannten »Ausländer« erfchienen, d. h. diejenigen jüdifchen Studenten, die wegen der prozentualen Norm gezwungen gewefen waren, fich die Hoch* fchulbildung an ausländifchen Univerfitäten, vorzugsweife an deutfdien, anzueignen. Diefe waren wegen der Kriegserklärung genötigt in Rußland zu verbleiben, und als fie nach einer langen Reihe von Schikanen einige Vorrechte bezüglich des Eintritts in ruffifche Univerfitäten erlangt hatten, trugen fie Belebung in die Reihen der ruffifchen jüdifchen Studentenfdiaft. Die letztere (teilte infolge der fpezififdi ruffifchen Verhältnilfe eine amorphe Mafle dar denn in die ruffifchen Univerfitäten gelangten nur wenige jüdifche Jünglinge, die dahin auf Grund der beßen Reifezeugnifle und in letzter Zeit infolge der fogenannten Wartezeit vordrangen, die den Juden, die Aufnahmegefuche eingereicht hatten, auferlegt wurde. Der durch folche Hindernilfe hindurdigeglittene oder mit Hilfe von Protektion zum Ziele gelangte Jude widmete fich der Erlangung feines Diploms und hatte wenig Sinn für nationale Arbeit. Wenn auch einige Organifationen entßanden, fo waren fie doch ausfchließlich wirtfehaftlichen Gepräges, fo z. B. die Unterßützungskaffen der jüdifchen Studenten, welche faß an allen höheren Lehranßalten beßanden, an denen Juden fiudierten. Auf diefe Organifationen, die eher Wohltätigkeitsanfialten als öffent* liehe Organifationen waren, befchränkte fich die ganze nationale Arbeit der jüdifchen Studentenfdiaft, die fowohl aus fubjektiven als auch aus objektiven Gründen unter den Bedingungen des zarifchen Regimes nicht zum öffentlichen Leben erzogen war. Als in ihrer Mitte Studenten aus dem Auslande, die unter den freien Bedingungen des öffentlichen Lebens fich an nationale Arbeit gewöhnt hatten, erfchienen, wirkte diefer Umfiand fchnell auf die ruffifch^jüdifche Studentenfdiaft zurück. Diejenigen Ausländer, die ihrem Volke treu geblieben waren, waren bereits während des Aufenthalts im Auslande in die Sphäre zionißifdien Einfluffes geraten. Sie entwickelten eine ßarke zionißifche Tätigkeit. Der »Hediawer«, die Organifation der zionißifdien Studenten, war die ßärkfie Organifation unter den jüdifchen Studenten, die im Auslande fiudierten. Der »Hediawer« hatte fein eigenes Organ, in ruffifefaer Sprache die Halbmonatsfchrift »Jevreiski fiudjent« und in hebräifdier Sprache die Zweimonatsfdirift »Hediawer«. Er veranßaltete eine Reihe eigener Kongrefie <in Wien im Jahre 1913, in Heidelberg im Jahre 1914), verfügte über eine firaffe Organifation und hatte feine Mitglieder in Deutfchland, Frankreich, der Schweiz und Italien. Als infolge des Krieges in die ruffifchen Univerfitäten Hunderte von Studenten gelangten, die mit dem >Hechawer« und feiner Arbeit ver* traut geworden waren, übertrugen fie ihn auch auf das ruffifche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.