Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2827066-2827074-2827077--0558-2827662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÄMPEL, Jr ACCUSE 139 übrigens bereits auch der oftjüdifche Proletarier!) hat andere Sorgen als die jüdifche Befiedlung Paläftinas. Das jüdifche Vofä, für das fchließlich auch Herr Dr. Jampei Paläftina errungen zu fehen wünfeht, intereffiert ihn nicht. Gerade die Wirkungen der jüngften Entwicklung des Zionismus find überaus lehrreich für alle diejenigen, die, ungefähr wie Herr Dr. Jampei, im Zionismus ftatt einer nationalen jüdifdien Bewegung lieber eine Paläftinabewegung fehen möchten. Gerade die Leibhaftigkeit eines jüdifdien Paläftina, mit der wir jetzt in naher Zukunft rechnen dürfen, bringt den meiften Juden zum Bewußtfein, wie wenig fie nodh mit dem jüdifdien Volke zu tun haben. Solange der Zionismus in der Hauptfache nichts als eine jüdifche Partei im Golus war, mochte er fie ftören, fchien ihnen aber verhält* nismäßig belanglos. Jedenfalls zwang er fie nicht, — obwohl er fich fchmeichelte, es zu tun zu der Tatfache ihres Judefeins entfeheidend Stellung zu nehmen. Jetzt, da der Zionismus im Begriff ift, zum Repräfentanten der Menfdiengemeinfchaft zu werden, die das anerkannte Recht befitzen wird, fleh als »jüdifches Volk« zu bezeichnen, jetzt wird es fidi herausstellen, daß die Entwicklung eines jüdifdien Paläftina auf gewilfe Schichten des jüdifdien Volkes. abftoßend wirken und ihre völlige Affimilation veranlalfen wird. Der bewußte jüdifche Nationalismus ift die Vorausfetzung jeglichen Paläftinaftrebens. Paläftina wird nur von folchen Menfchen befiedelt und die Befiedlung Paläftinas wird nur von folchen Menfchen gefördert werden, die ihr ganzes Dafein dem jüdifdien Volke geweiht haben. Eine folche menfehliche Hingabe erwächft nur aus der nationalen Idee. Dem nidit-nationalen Juden ift das Land, in dem er aufge^achfen ift und delfen Sprache er fpridit, Heimat genug. Sein Streben wird es fein, fidi dort mehr und mehr zu befeftigen. Keine Sehnfucht treibt ihn in die Ferne. % Glaubt Herr Dr. Jampei wirklich, man könnte die innerlichften Bedürfnifle rationieren, indem man zunäefaft ganz einfach ohne jede ge* dankliche Befchwerung für Paläftina arbeitet und erft, »wenn es einmal fo weit ift«, den nationalen Charakter der iüdifchen Gemeinfchaft »enthüllt«? Nein, nur unter der nationalen Flagge können wir Menfchen, nicht nur Vereinsmitglieder, für Paläftina gewinnen, und nur als jüdifches Volk unferen Anfpruch auf das Land vor der Welt begründen. Verwickelt uns das Bekenntnis zu unferem Volkstum in Konflikte, fo müflen wir fie hinnehmen. Die Wahrheit, die allein uns eine Exiftenzberecfatigung gibt, darf darum nicht verfchleiert werden. Wir meinen vielmehr, daß gerade jeder Verfuch, fie zu verbergen, zu all den verderblichen inneren und äußeren Folgen der Affimilantenpolitik führt. Herrn Dr. Jampels Standpunkt zur Judenpolitik in Polen fcheint mir typifch alRmilantifch und in der Tat dicht an der Peripherie des Zionismus gelegen. Den Juden foll es verwehrt fein, ihre national-politifdhen Forderungen in Polen zu erheben — die zudem keine maefatpolitifchen, fondern rein kulturelle find? Sie follen den Polen die Fiktion nicht ftören, daß das neue polnifdie Reich ein nationaler Einheitsftaat fei? Ö nein! Die Polen werden fidi an die Tatfache gewöhnen muffen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.