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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 23

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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3AMPEL, /' ACCUSE m als der einzige Zweck des ganzen ziönißifchen Unternehmens zu gelten hat, vor dem alle anderen Fragen zurückweichen mülfen, und daB das müßige Herumphilofophieren über den jüdifdien Nationalbegriff, das den Zionismus geradezu zu einem Schreckensgefpenß macht, ein zionißifcher Selbßmord iß. Damit glaube ich meine Anklage, daß der fchroffe Nationalismus die Fortentwicklung des Zionismus erfchwert und die Verwirklichung eines Judenßaates ganz unmöglich macht, hinreichend begründet zu haben. Nun habe ich aber gegen die jüdifch*nationale Jugend auch den fchweren Vorwurf erhoben, daß fie das Galuth nicht nur verlängert, fondern auch erfchwert. Ich bin mir fehr wohl bewußt, was es-heißt, angefichts der großen jüdifchen Blutlachen und der verbrannten Leiber von Kindern und Greifen, die die polnifchen Städte kennzeichnen, einer jüdifchen Partei Erfchwerung des Galuth zur Laß zu legen. Allein meine kulturgefchichtlichen KenntnilTe lalfen mich zu keinem andern Urteil gelangen. Ich weiß, daß der Prozentfatz der Juden nirgends fo groß iß als in den polnifchen Landesteilen und daß der Haß gegen fie nirgends fo klein war als dort, obwohl erfahrungsgemäß die Juden* feindfchaft mit ihrer Zahl fieigt. Die Schlachta, die in den vergangenen Jahrhunderten über Leben und Eigentum des Polen zu befiimmen hatte, drangfalierte ihre chrißlicfaen Untertanen nicht minder als die Juden. Wenn nun die Polen, die feit Jahrhunderten eine fo loyale Gefinnung bekundet haben, jetzt mit einem Male zu Hyänen wurden, iß es da recht, wenn man das einfach auf angeborenen ruchlofen Judenhaß zurück* führt? Der jungjüdifche Nationalismus, der die politifchen Ziele der Polen durchkreuzt, wird einen beträchtlichen Teil davon auf fein Konto fchreiben mülfen. Der Slave iß in fozialer wie in religiöfer Hinficht äußerß tolerant, aber wehe, wenn man feine Kreife fiört! Und nun erß der Pole, der feit mehr als einem Jahrhundert feine politifche Er* . löfung ebenfo herbeifehnt, wie der Jude feinen Meffias. Wer die ethno* graphifchen Verhältniffe Polens kennt, der wird den Schreck der Polen ermeflen, als fie gewahrten, daß die Juden in nationaler Hinficht ein Staat im Staate werden follen. Diefe Erbitterung mußte fleh noch fieigern, als die Juden während der deutfehen Befetzung Polens, gefiärkt durch die Konfervativen und Alldeutfchen, die in den Juden Vermittler deutfeher Kultur fahen, nun auch politifche Forderungen erhoben, die dazu angetan fchienen, Polen zu einem polnifch*jüdilchen Doppelreich zu geßalten. Wenn die Polen nun mit einem Male in fchäumender Wut über die Juden herfallen, fo wüßten wir, auch wenn fie es nicht fagten, daß es lediglich der jüdifche Nationalismus iß, der ihren Gram bis zur Siedehitze geßeigert hat. Nun find die Polen Gönner des Zionismus geworden, um mit feiner Hilfe die jüdifch* nationalen Elemente aus ihrem Lande zu entfernen. Einfiweilen mülfen Greife und Kinder diefe nationalifiifchen Neckereien mit ihrem Blute bezahlen. Da follte doch die jüdifch * nationale Jugend erwägen, ob diefes Spiel nicht audi in Deutfchland verhängnisvoll werden kann. Sie follte doch bedenken, daß auch eine fozialißifche Regierung provozierende nationale Ifolierung nicht ohne weiteres dulden wird. Die Internationale,

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