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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 22

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1S6 JAMPEL J' ACCÜS& Affimilantentum, das durch den religiöfen Indifferentismus erzeugt wird, audi eine vollbewußte Affimilation gibt, die in dem edelften Verlangen nadi idealer, felbßlofer Betätigung ihren Urfprung hat. Es find wirklich nicht die fchlechtefien Elemente des Judentums, die in Ermangelung eigener Ideale lieh nach fremden umfehen. Solche aber werden ihren Tatendrang nicht mit nationalißifchem Spielzeug abfinden wollen, wenn ihnen keine realen Garantien für die baldige Verwirklichung ihrer Pläne geboten werden. Wenn affo die bildungsfähige Jugend aus diefem idealleeren Milieu befreit werden foll, »folange fie noch fähig iß, ein Ja zu fagen, ohne ein Aber daran zu hängen«, fo follte man doch be* denken, daß, wenn das Aber gerade die Forderung realer Garantien für die Konkretisierung des abftrakten Nationalbegriffs involviert, die nationalifiifche Propaganda nicht gerade an das Alter appellieren dürfte, dem die grüne Theorie genügt, weil ihm für die Praxis noch die Reife fehlt. Löblich iß die Abfidit, einen Typ heranzuziehen, der »nicht einen Augenblick ins antifemitifche Lager hinüberzwinkert . . . und auf Anerkennung wie Gegnerfchaft pfeift.« Nur fchade, daß felbfi die geringße Hoffnung auf Erlangung diefes Zieles verliegen muß, fobald der Haß von außen im Abflauen iß. So wenig wie es dem Zionismus einfällt, zu befireiten, daß er dem Antifemitismus in erfier Linie fein Dafein verdankt, ebenfowenig wird jes jemand in Abrede fiellen können, daß die jüdifche Gleichgültigkeit der außerjüdifchen Welt gegenüber mit der feindlichen Gefinnung der letzteren fieigt und finkt. Eine fo ver* fchwindend kleine Minorität, wie fie die Juden mitten in ihrer Umgebung darßellen, wird die angebotene Hand der Majorität, die über ihr Wohl und Wehe zu entlcheiden hat, niemals ausfchlagen. So viel Überwindung wird ein Gaßvolk — und Gafivolk iß das Judentum in allen Diafpora* ländern, einerlei ob es das zugibt oder beßreitet —' niemals aufbringen können. Hat aber das Wirtsvolk fich zu einem Freundfchaftsbündnis bereit erklärt, dann iß die nationale Affimilation felbß in den religiös fühlenden Schichten über Nacht zum Siege gelangt und der Gedanke einer völkifchen Abfonderung iß ganz verfihwunden. Wenn das Bild, das wir von der türkifchen Judenheit kennen, dem zu widerfprechen fcheint, fo iß zu bemerken, daß diefe in der religiöfen Tradition tief verwurzelte orientalifcheExclufivität, wie fie in einem gewiffen Grade auch noch die oßeuropäifche Judenheit beherrfcht, mit einem Nationalismus nicht die geringße Gemeinfchaft hat. Jede Annäherung an nichtjüdifche Kultur, innere wie äußere, gilt ihr als religiöfes Verbrechen <chukoth hagoi), in nationaler Hinficht dagegen iß auch der orthodoxe Jude bis in die Fingerfpitzen affimiliert. Der jungjüdifche Nationalismus, der es ficherlich weit von fich weifen würde, den Antifemitismus als Prämiffe zu nehmen, follte fich konfequenterweife hüten, dem abfirakten Natio* nalismus den Vorrang vor der praktifchen Paläßinaarbeit zuzuerkennen. Hat aber die ganze jüdifche Jugendbewegung mit all ihren Turnern, Ruderern und Wanderern nur »das eine Ziel der Vorbereitung auf Paläfiina durch Heranbildung eines neuen jüdifdien Gefchlechts im Auge«, fo foll fie ßets eingedenk fein, daß der wirtfehaftliche Aufbau Paläfiinas, wenngleich an fich nur Mittel zur Erneuerung des Judentums, vorerß

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