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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 21

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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JAMPEL, J'IACCUSE 135 fein Herz verfdhlolTen hätte. Der Zionismus wäre, anßatt die Zahl der fidi gegen feitig befehdenden Parteien zu vermehren, das Ideal ge* wefen, in dem fidi alle Parteien zufammengefunden hätten. Jüdifiher Großkapitalismus Wefieuropas und jüdifches Proletariat Ofteuropas hätten fidi gegenfeitig ergänzt, und ein Plan, an defien Verwirklichung £in ganzes Volk arbeitet, könnte nicht mißlingen. Die Frage der Eint* Itehung eines Judenßaates iß erft in allerletzter Linie eine politilche, in der Hauptfadie ift fie eine Geldfrage. Das wird nirgends fo laut erklärt als gerade in den zioniftifdien Kreifen. Aber fie ziehen nicht die KonFequenz einer klugen Diplomatie. Sonft müßten fie die Kolonifation Paläftinas programmatifch als das Alpha und das Omega der zionifiifihen Bewegung bezeichnen, und dementfprechend würden fie deren wirt* fihaftliche Förderung als die einzige Pflicht des Zioniften anfehen. Die wirtfchaftliche Eroberung Paläftinas muß einer firategifchen Eroberung gleichen, während welcher alle anderen politilchen Probleme ganz in den Hintergrund treten, und zwar in dem Bewußtfein, daß die Löfung jeder anderen Frage erft beginnen kann, wenn die Löfung diefer Kardinal* frage ihren Abfchluß erreicht hat. Welchen Wert haben die Berge von Flugfchriften und Zeitungspolemiken, die während der deutßhen Be* fetzung Ruffifih * Polens über die künftige Ausgeftaltung diefes Landes deutlcherfeits zufammengelchrieben wurden? Diefe Konzentrierung der ganzen zioniftilchen Arbeit auf die Befiedelung Paläftinas foll nicht eine Gleichgültigkeit gegen die Erneuerung des jüdifihen Geißes dokumen* tieren. Nein, fie foll vielmehr von dem heißen Befireben, eine Neubelebung des Judentums herbeizuführen, diktiert fein, weil dies der einzige weg iß, auf dem man zu jenem höchßen Ziele gelangen kann. Ein jüdilcher Bezirk in Paläßina von der Größe Luxemburgs, mit eigener kommunaler und fiaatlicher Verwaltung und einer politilchen Vertretung im Rate der Völker, würde das Selbßbewußtfein und das national* jüdifihe Empfinden der Juden auf der ganzen Erdenrunde mehr fieigern als es die eifrigße nationalifiifche Propaganda jemals auch nur in den engfien Vereinskreifen erreicht hat. In dem erwähnten »Geleitwort« wird ferner gefagt, daß die Er* neuerung und Umgeßaltung des Judentums befiimmt war »durch den heiligen Zorn auf diefe ganze kraftlofe, verwälferte, felbfifüchtige und fidi duckende Judenheit ringsum, mit ihrem Nationalismus und Aßheti* zismus, mit ihrer Oberliebe gegen den Nächßfiehenden und ihrer empörenden Gleichgültigkeit gegen die Gefamtheit«. Wenn damit an* gedeutet werden foll, daß der Nationalismus als Erfatz für die mangel* haften Ideale des jüdifchen Milieus auch ohne Erwartung des Juaen* ßaates gefihaffen werden mußte — fo iß dagegen zu bemerken, daß gerade diejenigen Elemente, denen es an jüdifihen Idealen gebricht, am allerwenigßen dazu angetan find, fidi für einen luftigen Nationalismus zu begeifiern, dem alle Exißenzbedingungfcn fehlen. Diefe Kreife fuchen und finden ihre Befriedigung in nichtjüdifchen Idealen, die eine fiebere Balis haben und von unvergänglichem Werte find. Der alte Troßfpruch: »Was abfällt, iß Abfall« hat leider fchon längß feine Geltung verloren. Die Erfahrung lehrt, daß es neben dem unbewußten

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