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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 20

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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134 JAMPEL, J' ACCUSE möchte/ laffen keine andere Schlußfolgerung zu. Meine langjährige Erfahrung auf dem Gebiete der zionißifdien Propaganda hat midi zu« der Überzeugung gebracht, daß mit Ausnahme einiger Kommerzienräte, für die die Taufe nur nodi eine Frage der Zeit iß, kein Jude dem Zionismus fernbleiben würde, wenn die nationaljüdifche Preffe darauf verzichten wollte, die Kollifion zwifdien zionifiifdier Gefinnung und Vaterlandstreue immerfort zu betonen. Es iß keine Geftnnungsheuchelei, die von der nationalen Jugend gefordert wird, fondern nur ein bisdien diplomatifdie Zurückhaltung. Politik iß wie Religion, hier wie dort hat das Gefühl und die Neigung, nicht aber die trockene Logik das Wort. Nur die wenigßen Völker vermögen ihre politifdien Ziele mit abfoluter logifdier Konfequenz zu verfolgen, am allerwenigßen aber foldie, deren hißorifdie, religiöfe oder genealogifdie Beziehungen nach verfdiiedenen Ländern reichen. Und deshalb verlangt audi kein Staat von feinen Bürgern eine foldie Deklaration. Legen denn die Deutfdi* Amerikaner Redinung ab über ihr politifdies Denken und Fühlen? Und wäre es dem deutfchen Volke in den Sinn gekommen, die politifdie Gefinnung der Zionißen jemals zu kontrollieren? Wer nötigt die jüdifchnationale Jugend, aiefe Frage immerwährend zu erörtern? Darauf wird zionifiifdierfeits entgegnet: die Pflege des nationalen Empfindens iß die unentbehrlidiße Waffe im Kampfe gegen die über* handnehmende Entjudung! Wenngleich diefe Behauptung in jedes Zionißen Mund geläufig iß, fo darf midi das nicht hindern, diefe Meinung als eine irrtümliche zu bezeichnen und zu bemerken, daß fie, weil von Parteiführern proklamiert, ungeprüft nachgefprochen wird, wie das befonders in organifierten Parteien faß immer der Fall iß. Es kann nicht laut genug betont werden, daß eine jüdifchnationale Begeißerung ohne Rückhalt eines Judenßaates, an deflen Entfiehung gearbeitet wird, nur ein fchwacher Flimmer iß, der gleich erbleicht. Solche Sternfehnuppen find am jüdifdien Firmament fdion oft aufgetaucht, find aber bald wieder verfchwunden. Wenn aber der durch den Zionismus entfachte nationale Drang in den Herzen der jüdifdien Jugend fo feß Wurzel gefaßt hat, daß ein völliges Entweichen bei ihm ganz ausgefdiloffen fdieint, fo verdankt er dies einzig und allein den nahrungsreichen Säften, die ihm das Bewußtfein der praktifchen Paläßinaarbeit fiändig zuführt. Diefe Hoffnung auf die baldige Verwirklichung der nationalen Selbfiändigkeit in Paläfiina, fie ganz allein ift es, die das Judentum neubelebt, feinen Geift und feine Seele auffrifcht und ihm durch den Blick in die frohe Zukunft die Vergangenheit lieb und teuer macht. Wäre das jüdifche Volks* und Nationalproblem nicht in die Debatte?geworfen worden, die J^iebe zum jüdifdien Wefen und den jüdifdien dealen wäre dadurch nicht um einen Deut kleiner gewefen und kein Zioniß hätte mehr beanfpruefat als die Zuverficht, daß das Judentum im neuen Judenftaate eine felbftändige Nation repräfentieren wird. Der Gewinn wäre der gewefen, daß die zionißifche Bewegung die Inkarnation des abßrakten Meffiasglaubens darßellte, dem kein Jude

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