Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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JÄMPEU j< ACCüSE 133 Wert verleiht. Und fo wäre auch der nationale Gedanke eine Chimäre, wenn er nicht durch die Entwicklung Paläftinas verdichtet würde. Ohne die Fundamente Vaterland, Mutterfprache ufw. iß jede nationale Begeißerung nur ein künfilicher Raufch, der fich gar bald verflüchtigt. Der Nationalismus vermag allein deshalb fo viel Wärme zu erzeugen, weil die bisherige religiöfe Erziehung das jüdifche Gefühl mit dem Gedanken der Wiederherßellung einer nationalen Selbßändigkeit in Paläßina ganz durchtränkt hat. Alle bisherigen zionifiifchen Erfolge bei der Judenheit in den Ländern der Diafpora find nur Kredite, die ihm auf Paläßina gewährt werden. Daher würde nicht allein der politifche, fondern auch der Kulturzionismus den Bankrott anfagen müffen, wenn der Ausblick auf Paläßina fich verdunkeln follte. Somit kann es für den Zionismus jetzt fowohl wie in abfehbarer Zukunft nur eine Aufgabe geben, nämlich den großen Wechfel einzulöfen. -— Darauf muß jeder Zionifi fein ganzes Augenmerk richten, muß alles daran fetzen, fein fehr gewagtes Unternehmen vor einem lächerlichen Fiasko zu bewahren. Auch in dem erwähnten »Geleitwort« wird zugegeben, daß das abfirakte nationale Gefühl gleich ermatten würde, wenn man nicht fofort zur Tat Ichritte. Iß aber die praktifche Paläßina* arbeit das einzige Mittel zur Erneuerung des Judentums, dann darf nichts unterlaflen werden, was zur Erlangung diefes Mittels führt oder auch nur führen kann. Der Gedanke des Judenßaates iß der Kardinal* punkt, um den fich alle zionißifchen Ideale drehen. Von der Hoffnung auf feine baldige Verwirklichung firömt der neubelebende Hauch aus, der das Interefte am Judentum, feiner Gegenwart und feiner Zukunft, erregt und zur Pflege feiner Eigenart, feines Wefens und feiner Kultur antreibt. Mag der Kulturzionismus auf geißigem und literarilchem Gebiete noch fo rührig und gefchäftig fein, mag er fich dem politifchen Zionismus gegenüber noch fo felbfiändig gerieren — er verdankt feine Kraft doch nur dem bewußten und unbewußten Streben, die jüdifche Jugend für die künftige nationale Selbßändigkeit auf paläfiinenfißhem Boden gefeit zu machen. Ex Oriente lux! und alle, die an der Neu* befebung des Judentums arbeiten, können nur fo lange ihrer Arbeit froh werden, als fie Augen und Herz gen Jerufalem richten. Daher kann es keinen fchlimmeren Verrat am Zionismus geben, als wenn man den Nationalismus auf Koßen des Judenßaates zu ßeigern fucht. Hier bin ich bei dem Punkte angelangt, bei dem ich die fchwere Anklage gegen die nationalißifche Jugend erheben muß, die das Galuth verlängert und erfchwert. Verlängert, weil fie durch den hochgefchraubten Nationalismus jedem Juden, der fich nicht felbfi zum Fremdling in feinem Vaterlande fiempeln will, den Weg zum Zionismus verfperrt und fo die Entwiddung des Judenßaates verlangfamt, — erfchwert, weil fie das Judentum in allen Diafporaländern zum Staat im Staate macht und fo diejenigen Völker, deren politifche Ziele von den jüdilchen Nationalißen durchkreuzt werden, zur graufamßen Judenverfolgung reizt. Ich bin mir fehr wohl bewußt, wie fchwer die Vorwürfe find, die ich hier gegen die nationalißifche Jugend fchleudere, und ich wünfchte, fie wären unberechtigt. Allein die Momente, die ich hier nennen