Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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132 JAMPJU, J' ACCUSE Y ACCUSE! Ein nichtorganifierter Zioniß iß es, der es wagt, in diefen Spalten eine Anklage gegen die jüdifdwiationale Jugend zu erheben. Wem dies anmaßend erfcheint, der möge berückfidhtigen, daß idi bereits in den vorderen Reihen zioniftifcher Vereinigungen geßanden habe, als noch mancher andere in großen Bogen dem Zionismus auswich. Wenn ich bis zum heutigen Tage unausgefetzt befirebt bin, andere in das zionißifihe Lager hineinzuziehen, während ich mich felbfi feit einer Reihe von Jahren nur an der Peripherie aufhalte, weil die nationalifiifche Jugend mir den Aufenthalt im Lager unerquicklich macht, fo darf fie nicht fo intolerant fein, mich nidit gerade vor ihr Forum treten zu lallen. Im »Geleitworte« zum erßen Jahrgang diefer Zeitfihrift, die das Leiborgan aller nationalen Verbände zu fein berufen iß, hat Herr Dr. Krojanker die Richtlinien des Programms, das die Anfchauung der gefamten nationalgefinnten Jugend widerfpiegelt, in foldier Prägnanz zur Darfiellung gebracht, daß wir es hier als ein Schema benutzen zu dürfen glauben, um uns danach über Ziel und Plan des jungjüdifchen Nationalismus zu orientieren. Krojanker bezeichnet den nationaliftifchen Drang, der jetzt die Herzen der jüdifchen Jugend erfaßt, als eine urplötzlich aufleuchtende neue Idee, die dann zur Tat, nämlich zur graktilchen Paläßinaarbeit führte, welch letztere er nur als Mittel zum Zwecke der Erneuerung des Judentums bewertet. So richtig auch die Anficht iß, die das Neuerwachen der Gefamt* judenheit in allen Diafporaländern höher einlchätzt als das Unterbringen eines Teiles der ofieuropäißhen Juden auf paläßinenfifchem Boden, fo liegt doch ein verhängnisvoller Irrtum darin, wenn man, wie es Krojanker tut, das abfirakte jüdifche Nationalempfinden von der konkreten Paläfiina* arbeit unabhängig macht oder gar das erfiere als Urfache des letzteren anfleht. Wer die Entwicklung des Zionismus miterlebt hat, weiß, daß die nationale Begeißerung nicht urfachlos aufgelodert iß, fondern daß Ge lediglich eine Ausßrahlung des elementarifchen praktilchen Gedankens der Errichtung eines Judenßaates auf dem heiligen Boden iß. Daß die vorzionißifihen Verfuche kolonialer Gründungen, wie die von Montefiore, Efra, der Alliance u. a., den nationalen Geiß nicht anfachen konnten, erklärt fich dadurch, daß jene taßenden Anfänge, die übrigens dem Gros der Judenheit ganz unbekannt geblieben find, in Wahrheit nur engbegrenzte philanthropifche Amateurfpiele waren, mit denen die Urheber eine Löfung des Judenproblems nicht verbunden haben. Erß der »Judenßaat« vermochte eine lolche Umwälzung herbei* zuführen. Und war auch der Judenfiaat vorerfi nur ein theoretifcher Entwurf, fo enthielt er doch den Plan eines Unternehmens, deflen Vollendung man in abfehbarer Zeit erwartete. Gerade die Beobachtung, daß fchon ein papierenes Bild, weil es die erwartete Wirklichkeit illufiriert, einen folchen Sturm des Erwachens verurfachen konnte, zwingt noch mehr die Überzeugung auf, daß nur die Realität der Idee einen