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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 16

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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130 KROJANKER, VOM 'FALSCHEN GEIST DES JUDENTUMS Ich habe bereits bemerkt, daß Herr Dr. Schiefinger in feiner eingangs erwähnten Schrift auch feinerfeits feftftellt, es handle fich bei dem Streit zwifchen dem formal und dem inhaltlich beftimmten Natio* nalismus durchaus nicht um eine theoretifche, fondern um eine eminent praktifche Angelegenheit. Und von hier aus glaubt er, den Unterfdried der beiden Richtungen in der Verfihiedenartigkeit ihres auf die Zukunfts* geftaltung gerichteten Willens, der in den Schlagworten »Wiederbelebung« und »Neulchöpfung« zum Ausdruck käme, fehen zu können. Mir fcheint das nicht richtig. Ich glaube vielmehr, daß einer fehr wohl die hiftorifche Kontinuität kann gewahrt wilfen wollen, daß es auch ihm fehr am Herzen liegt, das geißige Erbe der Väter nicht zu verfchleudern und nicht zu vertun, und daß er fich trotzdem hochgradig mißtrauilch und ablehnend gegenüber allen Theorien eines inhaltlich beßimmten Nationalismus verhält. Denn ich glaube, gezeigt zu haben, daß die »monumentalifche Hifiorie«, als welche fich jede Theorie vom Geifie des Judentums darßellt, einmal nicht nach ihren formulierbaren Ergebe nilTen gewertet werden darf, und daß fie zweitens fegensreich nur in einem lebendigen und normal fundierten Volke wirken kann, weil fie nur hier die ihr unbedingt notwendige Korrektur durch das Leben felber erfährt. In unferer Situation aber muß fie zu all den dargelegten Folgewirkungen führen: zu innerer Unwahrhaftigkeit, zu hohler An* maßung und letzten Endes zu einer Einßellung, die mit Leichtigkeit aus dem Zionismus hinausführen kann. Und wo fie dann hinführt, iß zweifelhaft. Sie kann wieder in das vorzioniftilche Stadium führen, in dem man ifolierte Intellektuelle allen Strömungen hingegeben fah, die irgendwie von Geiß und Ethos beherrlcht waren. Sie kann aber auch in ein neues Ghetto führen, in dem eine unfruchtbare Geifiigkeit, des lebendigen Nährbodens beraubt, fich als Sekte manifeßiert. Etwas vom Sektengeiß geht fchon jetzt durch unfere Reihen. Gefunde Geifiigkeit befteht wohl in einem Innen, aber fie offenbart fich nur durch ein Außen. Und gerade diefer Geifiigkeit entbehren alle die fdiwabbeligen Eukunftsmenlchen, Beglückerdien, Scharlatane und Schönredner, die jetzt uns <und der Menfchheit gleich mit) den Weg vorzeichnen wollen. Sie leiden an unferem alten Erbübel, dem Mangel an Wirklichkeitsfinn. Und fo großartig fie fich felber vor* kommen, fo weit find fie von jener Größe, die nach Rolland darin befieht, die Welt zu kennen und fie trotzdem zu lieben. Sie aber lieben ihre Luftgebilde und glauben, daß Geifi am meifien da ift, wo man fich von der Welt der Tatfachen am weiteften entfernt. Aber diefer Geifi ift erfi die technifche Vorausfetzung zu jeglicher Wirkfam* keit, und fo lange es ihm nicht gelingt, fich im Außen und durch das Außen zu manifefiieren, bringt er nichts weiter als Gefchrei, Verfiiegenheiten und Unheil in die Welt. $ Der Name Martin Buber ift in diefem Auffatz nicht genannt worden. Aber in einem Sinne fteht fein Name zwifchen jeder Eeile.

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