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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 15

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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K80JANKEP, VOM FALSCHEN GEIST PBS JUDENTUMS 129 dem bereits erwähnten Dekret über die Identität von Sozialismus und Judentum. Jetzt erübrigt lieh die Sdiwierigkeit einer fachlichen Debatte. Man wird wieder tieffinnig und erklärt, daß für den wahrhaft inner* liehen Zioniften nur ein jüdifcher, das iß aber foziälifiifcher Staat in Frage kommen könne, und daß man an einem Paläßina ohne Marxismus oder Kommunismus kein Intereffe habe. Äußerungen diefer Art können wir ja täglich lefen oder zu hören bekommen. Aber hier iß der Zionismus nicht nur kein verinnerlichter, fondern er hört überhaupt auf, einer zu fein. Denn wenn es jemandem zu geringfügig und der Höhe feines Ethos nicht entfprechend erfcheint, fich für die bloße Form des Landes einzufetzen, weil es auf den vorweg dekretierten Inhalt an* komme, der der Form erß ihre Exifienzberechtigung gäbe, dann wird die Bemühung um diefe Form tatfächlidh zu einem Umweg, zu einem Hechnifch notwendigen Kunfigriff, mit delfen Hilfe man zur Menfchheit gelangt«. Und diefen Standpunkt gegenüber dem Liberalismus zu vertreten, halte ich in der Tat für fehr fchwierig. Es iß doch wirklich mehr als fraglich, ob für den Sozialismus durch das fchwierige und fragwürdige Unternehmen einer Kolonifation, die nach Jahrzehnten ein kleines Völkchen fchaffen kann, mehr herausfehaut, als wenn man die Judenheit der Erde für feinen Gedanken mobilifiert und jeden an feinem Platze kämpfen läßt. Der Zionismus muß es eben ablehnen, die Entfcheidung über feine Exifienzberechtigung von der Beantwortung diefer taktifdien Frage ab* hängig zu machen. Denn am Eingang zu ihm fieht nicht der Menfch* heitsgedanke und nicht eine Beglü&ungsidee. Das muß um fo aus* drücklicher gefagt werden, als jetzt viele Eingang in unfere Reihen gefunden haben, denen der primäre Zwang zum Zionismus nicht <wie uns früher)- aus ihrer Liebe zum jüdifchen Volke erwuchs, fondern aus der Liebe zu ihrer jeweiligen Beglückungsidee, die lie mit Hilfe all der vielen Auslegungen über den Geiß des Judentums fich und anderen als »die« jüdifche vortäufchen konnten, und durch die das arme jüdifche Volk nun mit Gewalt in ein irdifches Paradies geführt werden foll. Aber wenn fidi eines Tages herausfielen follte, daß nicht alle ihre Blüten träume zur Reife gelangen können, daß auch unfere Gemeinfchaft nur eine Gemeinfchaft von Menfchen ifi, in der es ganz ohne Un* Gerechtigkeit und Not nicht abgehen wird, dann werden fie wahr* fcheinlich nicht mehr bei uns fiehen, fondern dekretieren, daß am Juden* tum nichts mehr zu retten fei, da es fidi bereits <um in ihrem Jargon zu reden) allzu tief mit dem Geifte Europas kompromittiert habe. Nein, dem Zionismus geht es ganz und gar nicht um die Ver* wirklichung einer beßimmten Idee vom Judentum/ es geht ihm um eine — wenn man fo will ~* fehr ungeifiige Sache: die Schaffung einer Heimfiätte für das jüdifche Volk, lind er will damit weder die Menfcfa* heit beglücken, noch irgendwelche Gedanken, die Spätere aus der lebendigen Vergangenheit unferes Volkes als einen geifiigen Extrakt gewonnen haben, verwirklichen, und ifi trotzdem des frohen Glaubens, daß feine Tat auch vor dem Forum der Menfchheit wird beliehen können, und daß fie dem Geifte der Väter nicht untreu fein wird»

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