Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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käÖJANKER, VOM FALSCHEN GEIST DES JUDENTUMS 125 und Unreife ein herrlicher Gipfelzußand von einer ganz befonders jüdifchen Art fei, und die fich in diefem Sinne monatlich einmal im »Jerubbaal« äußert. Ein ßhon weniger harmlofes Beifpiel findet man in den Sozialiften unferer Kreife. Ich glaube, es braucht nicht bewiefen zu werden, daß fie ihren Sozialismus keineswegs aus einer Verfenkung in die jüdifche Vergangenheit, aus der ihnen eines Tages der Geilt des Judentums leuchtend als ein fozialiftifcher aufftieg, gewonnen haben, fondern daß fie als echte Kinder ihrer Zeit und ihrer Umgebung, von deren Be* wegung mitbewegt, für fich ergriffen, was ihnen als koftbares Gut erfchien, um es der jüdifchen Zukunft nutzbar zu machen. Und für mein Gefühl find fie deshalb nicht etwa zu fchelten. Aber wenn fie dies als wahr zugeben müßten — ja worin unterfchieden fie fich denn dann noch von dem längft überwundenen Herzl, dem ja gerade dies zum Vorwurf gemacht wird, daß er von überallher eklektifch das Befie zufammenraffte, und daß fein Zukunftsgebilde vielleicht ein Judenßaat, keinesfalls aber ein jüdifcher Staat fein könne? Es mußte alfo dekretiert werden, daß der berühmte Geiß des Judentums mit dem der fozialen Gerechtigkeit <lies: des marxiftifchen Sozialismus oder des kommunifiilchen Anarchismus,- darüber herrfcht noch Uneinigkeit) fchlechterdings identifch fei. Und wie ein wahrhaft jüdifches Gemeinwefen nicht ohne Bern* felds Erziehungstheorien verwirklicht werden kann, fo auch nicht ohne Marx oder Krapotkin, kurz: ohne das jeweils bevorzugte Steckenpferd eines befonders verinnerlichten Zionifien. III Mit all diefen Folgewirkungen des inhaltlich beßimmten Na* tionalismus könnte man fich noch abfinden. Er ßhafft zwar eine in hohem Maße unerfreuliche Atmofphäre von Wahn und Verlogenheit, aber man kann der Anficht fein, daß die Kraft unferer Bewegung ftark und gefund genug ift, mit all den Auswüchfen eines immerhin ur* lprünglich ernßen Bemühens um Verinnerlichung fertig zu werden. Leider aber eignet der Theorie diefes Nationalismus noch eine zweite Seite, die fich —* mit voller Überlegung gefprochen —' zu einer ganz ernßhaften Gefahr für unfere Bewegung auswachfen kann. Es handelt fich um die Idee der »Auserwähltheit«. Alle die Gedanken nämlich, die den Inhalt des Judentums ausmachen follen, find in der Ifolierung, in der wir fie um der Klarheit der Darfiellung willen zunächft vorausfetzten, nicht denkbar. In Wahrheit muß ihnen immer gleich hinzugefügt werden, daß es die Aufgabe des jüdilchen Volkes Fei, fie durch lein Leben zu verwirklichen und eben dadurch dem höchften Ziel, der Menfchheit, den Weg zu bereiten. Es handelt fich hier um die eigentümliche Verknüpfung einer im höchften Maße na* tionalen und gleichzeitig doch kosmopolitißhen Einßellung. Der Zionis* mus, der in feinen Anfängen befcheiden nichts weiter wollte als eine * Heimßätte für das jüdifche Volk — jetzt foll er in diefer Heimfiätte eine Fülle der erhabenßen Ideen zur Verwirklichung bringen und durch fie der Menfchheit den neuen Weg zum meffianifchen Endziel