Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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K&QJANKEB, POM TAUCHEN GEIST QES JUDENTUMS Iii Volk ein Segen und eine tiefe Notwendigkeit, wenn ihm Männer erfiehen, die feine Gefchichte zu deuten und ihm aus ihr den Sinn feines nationalen Dafeins zu erfchließen vermögen/ wenn fie es aus der Wirrfal der Zeit herausführen und feine Exifienz von dem höheren Forum des Menfchheitsgedankens zu rechtfertigen unternehmen. Und es fchadet gar nichts, daß dabei die Gefchichte doch eben nur gedeutet, d, h. mit den Möglichkeiten eines einzelnen Geiftes erfaßt und deshalb in einem höheren Sinne verkannt wird. Denn allen Verftiegenheiten und Einfeitigkeiten, allen Übertreibungen und Umbiegungen erfteht in einem normalen Volk das Leben felbß als Korrektor. Der gefunde Organismus des Dafeins weiß, was er aufzunehmen hat und was ihm bekömmlich iß/ der Reß aber endet nach Gebühr. Leider mangelt uns gänzlich ein Organismus diefer Art. Unfere Geißigkeit hatte durch lange Zeit der Korrektur des Lebens entbehren müflen. Sie hatte fich im Gegenteil zu feinem Beherrfiher aufgeworfen, und das Refultat war, daß fie felber unfruchtbar und ohne innere Kraß blieb. Und aus diefer Erkenntnis gerade war ja unfer Zionismus erwachfen. Deshalb wollten wir auch das normale Leben eines nor* malen Volkes,- nichts anderes und nichts weiter. Denn wir zweifelten nicht, daß aus ihm, aber nur aus ihm Kultur hervorblühen würde, über deren Inhalte wir allerdings jetzt noch ganz gewiß nichts aus* fagen können. Unfere Schrififieller aber tun fo, als ob fie bereits in Paläßina wirkten und fchrieben, wo es natürlich-4hr gutes Recht fein wird, darauf hinzuzielen, daß an das Alte angeknüpft und daß das Erbe der Väter aufs neue erworben wird. Hier aber fehlt der Boden für folche Bemühungen/ hier führen fie uns wieder in jene Geifiig* keit, von der wir uns eben erß abgewandt, und für deren Ueber* Windung wir das Wort Zionismus geprägt haben. Denn hier find wir noch kein Volk und ganz gewiß kein normales. Man fehe fich nur ihre Schüler an, und man wird um fo tiefer begreifen, worauf ich ziele. Es handelt fich vorwiegend um jugendliche Menfchen, auf die der inhaltlich gerichtete Schrififieller feine Wirkung übt. Um jugend* liehe Menfchen: alfo nicht um Reife und Abgekhlolfene, die wenig zu einer nebulofen und abfirakten Geißigkeit, fondern vielmehr zu Farbe und Plafiik geneigt find und damit in fich eher die Gewähr tragen, zwifchen dem lebendig Segensvollen und dem blutleer Un* fruchtbaren unterIcheiden zu können. Um jugendliche Menfchen handelt es fich, die an nichts mehr Freude haben als an der Problematik und denen mit leichter Mühe auch die Probleme, die fie tatfächlich garnicht in fich haben, von heute auf morgen eingeredet werden können. Denn die Unklarheit ihres Geifies, ihr Suchen und Taften nach dem rechten Weg ergreift mit Freude jedes neue Problem, fchlingt es mit in den unverdauten Knäuel der fihon vorhandenen und empfindet noch als Bereicherung, was doch häufig nur eine Laß bedeutet. Ich nehme ein Beifpiel zu Hilfe. Man hat fie lehren wollen, wie fie die Bibel lefen müITen, oder beffer: welche geifiigen ErgebnifTe fie aus diefer Lektüre zu gewinnen haben. Das kann man (vielleicht) mit Kindern