Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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120 K&ÖJANK&Z PÖM fALSCHEM ö£fSf £>£5 JÜDEAttliMS Das sehen aber offenbar weder diefe Schriftfteller felbfi noch gar ihr Publikum. Ihr künfilerifch oder philofophifch dargeßelltes Bild wird zur ewigen Heilswahrheit: von ihnen fo proklamiert und vom Lefer als foldie entgegengenommen. Und deshalb ift es fchwer, dem inhaltlich beßimmten Nationalismus gerecht zu werden. Stärker als die Werte, die wir durch ihn zweifelsohne gewonnen haben, haftet der Eindruck von den Gefahren, in die wir durch eine falfche Auf* faflung feines Wefens geraten. Wer vom inhaltlich gerichteten Schrift« fieller das Ergebnis als wefentlichftes übernimmt, gerät auf einen Irrweg. Wer feine Schriften nicht zu lefen verlieht wie das Werk des Künfilers, das auch dann noch bereichert, wenn feine formulier* bare Idee abgelehnt werden muß — der mag wohl ausgezogen fein, den Geiß des Judentums zu fuchen, aber was er nach Haufe bringt, iß ein falfcher Geiß. Und gerade der macht fich jetzt fo eindringlich und auffällig be* merkbar, daß ihm ein befonderes Kapitel von höchßer Aktualität gewidmet werden darf. II Ich hatte bereits gefagt, daß das feelifche Bedürfnis des wefi* jüdifchen Nationalifien beim reinformalen Rahmenprogramm nicht flehen bleiben konnte. Es verlangte ihn nach mehr Judentum, und er glaubte mit Recht, es finden zu können, wenn er fich Kenntnifle vom Judentum verfchaffte und durch fie dem entrückten Genius feines Volkstums wieder näher käme. Nun iß aber die Erringung diefer Kenntnifle, zumal fie die Erlernung einer gar nicht leichten Sprache vorausfetzt, ein fchwieriges und zeitraubendes Gefchäft. Und was gar die Annähe* rung an den entfchwundenen Volksgenius anbetrifft, fo fcheint es mir hiermit noch ungünfiiger zu liegen.# Jedem mag wohl auf feine Art etwas vom verfchollenen und doch in ihm irgendwie nach lebendigen Geifie der Väter unbewußt aufdämmern. Und dies Gefühl mag feinem Leben, auch ohne daß er zu fagen vermöchte, wie und wodurch, die Richtung weifen. Aber er darf fich nicht einreden, daß der Geiß des Judentums ihm formulierbar auffieigen und als ein Leitfatz den Weg vorzeichnen wird. Was konnte in diefer Situation unferen Lernenden, die fich vor eine Fülle fchwieriger Kleinarbeit gefiellt fahen und gleichzeitig gierig waren nach augenblicklich greifbaren Refultaten — was konnte ihnen willkommener fein, auf was konnten fie fich mit größerem Eifer fiürzen als auf die Schrifien von Männern, deren Werk ihnen alle Arbeit bereits abgenommen hatte? Hier hatten fie ja bereits den Extrakt der Ex* trakte,- hier fanden fie verzeichnet, welche charakterologifchen Befonder* heiten dem jüdifchen Volke eignen, und welche Lehrfätze fich aus feinem vergangenen Dafein ableiten laflen. Das wäre nun alles in fchönfier Ordnung und könnte wirklich als der erhabene Fortfehritt unferer Idee angefehen werden, als welcher er den meifien ericheint, wenn nicht —' ja wenn nicht bei uns alles fo grundfätzlich anders läge als bei den andern Völkern. Sicherlich ift es für ein gefundes und konsolidiertes