Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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KmjANKEZ, VOM TAUCHEN GEIST DES: JUDENTUMS i i§ keinerlei Inhalte gebundenes Vielleicht fögar gegen fie gerichtetes) jüdifches Gefühl fön eigen nannte, konnte gar nicht anders, als* die Begebungen der Umgebung auch auf fein eigenes Volk anzuwenden. Er mußte feine Ideologie dem Nationalismus feiner Umgebung ent* lehnen und fein hödhftes Ziel darin fehen, aus dem jüdifchen Volk eine Nation gleich allen anderen zu machen. In diefem Umßand liegt fogar die Grenze, die den modernen Zionismus von allen zionißifchen Beßrebungen vor ihm fcheidet. Diefe neue Einfiellung war ein Fort* fchritt, bei dem man allerdings nicht flehen bleiben konnte. Es war unausbleiblich, daß der neue Nationalifi fidi nun auch mit der Ge* fchichte und Kultur feines eben erfi entdeckten Volkstums zu befaflen begann, und es iß pfychologifch fehr begreiflich, daß er das nicht nur tat, um fich Kenntniffe zu vermitteln, fondern daß er mit jedem Stück neuen Wiflens etwas von der Seele des Juden erhafchen wollte, um felbfi jüdifcher zu werden. Und mit diefem Bedürfnis entfieht auch das nach einem inhaltlich befiimmten Nationalismus. Was ift das? Es wäre wieder eine unfruchtbare Methode, den Gehalt der Schriftfteller diefer Richtung auf einige Sätze zurückzuführen und diefe im leeren Raum der Theorie zu prüfen. Da es um ihre praktifche Wirkung geht, ift wichtiger eine Charakterifierung ihres wefens als die ihrer formulierbaren Ideen. Die inhaltlich gerichteten Schriftfteller zielen nicht bloß irgendwie auf Erneuerung des Judentums, fondern auf ein ganz beßimmtes Judentum: ein Judentum — und das ift das Wefentliche —, wie es ihrem künfilerifch oder philofophifch ge* wandten Blick fich darfiellt. Ihre Schriften find nicht Arbeiten von Gelehrten, deren Ergebnilfe als richtig oder falfch erwiefen werden können. Kein wiflenfchaftliches Interelfe hat fie geleitet, fondern die Abficht, die Tätigkeit der Lefenden anzuregen, zu vermehren und durch die Erinnerung an große Momente der Vergangenheit in eine gewünfehte Richtung zu lenken. Es handelt fich alfo um jene Art der Gefchichtsbetrachtung, die Nietzfche die »monumentalifche« nennt und die als eine Kunfi immer anzufehen iß. Denn für die große Menge bleiben Kenntnilfe eben Kenntnilfe. Und nichts fiellt größere An* forderungen an den Geiß des Menfchen, als aus Bildungselementen Bildungserlebnifle_w£rden zu lallen, durch die das tote Material zum lebendigen Bild, wird und damit zur Formung des eigenen Dafeins die Möglichkeit gibt. Es gehört dazu entweder der Blick des Künfilers, der aus toten Buchftaben farbig und plafiifch das Bild fich formt, oder der des Philofophen, der die Vielgefialtigkeit des Dafeins in die Ein* heitlichkeit der großen Linie bannt, lind von folcher Art find die Schriftßeller, die als Vertreter eines inhaltlich beßimmten Nationalismus bei uns von Wirkfamkeit geworden find. Ihre »monumentalifche Hißorie« iß nicht als richtig oder falfch zu bewerten ,• fie iß überhaupt nicht auf ihre Ergebnilfe zu prüfen. Wefentlich iß nicht ihr Ziel, fondern ihr Weg,- vorbildlich ihr Blick, nicht ihr Refultat. Es kommt an auf die Bemühung, die dem-Kern ihres Lebens entfirömt,- das Ergebnis aber kann fchon morgen überholt fein. Ihr Wert liegt nur im Wie, gar nicht im Was.