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Der jüdische Wille · 1919-06-01 · Heft 2 (Juni 1919) · page 43

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 2 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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EINZELHEITEN 113 Buch crfcbienen. Und dabei iß es nicht zio* niftifch, nein fogar, — ich Tage das vor altem, weit unfer Zionismus fo tiefin unferera Jude« fein verankert iß, daß wir wirkliches jüdifches Empfinden ohneZionismus kaum raffen wollen ~, es iß uns feindlich. Dtefer Mann ilt nämlich ein glühender Jude und zugkidt ein glühender Deutfcher. Damit wird fchon verßändlich, daß er für unfer politifches Ziel nichts übrig hat. Und außerdem ift diefer Mann einer, der zurückgezogen in feiner Stube fitzt und lieber nicht verfuchen fbllte, Politiker zu fein. Bs ift fall fchmerzlich zu fehen, wie er zu uns lieht, uns beurteilend nach wenigen Publikationen und den Elaboraten von Heißfpornen, fchmerzlidi für den, dem der Meifter der »Lehre von den Geiftigen und vom Volke« ein Führer ift in den weiten Bereichen des Denkens. Das Wefentliche, was er gegen uns fagt, ift feine Definition der Nation. Doch Nation läßt fich ebenfowenig definieren, wie fich fonft Lebendiges definieren läßt. Diefe Definition wird ebenfo widerlegt werden, wie wir untere eignen Definitionen immer wieder widerlegt haben. Aber diefer Teil des Werkes ift unwesentlich. Weit, groß und neu ift, was über den Antifemitismus darin fteht. So ift dem noch keiner auf den Leib gerückt, nicht um ihn zu er* Ichlagen, fondern um ihm jede Larve abzureißen und ihn bloß hinzuftellen als das, was er ift, als Judenhaß, als Menfchenbaß. Es ift fthwer, Einzelheiten hier zu fagen, wo alles Große in diefem Buch aus einer Einheit heraus gefchaffen iß. Ich kann hier nichts erzählen von feiner Lehre vom Haß, fonß müßte ich auch von feiner Lehre von der Liebe erzählen. Ich werde es nicht tun, fondern jeder foll dies Buch felbft lefen. Jeder, der bei dem Wort »geißige Liebe« irgendwie auffthaut, <lem brauche ich nichts mehr zu fagen. Hört, hier fpricht ein Mann zu uns, der an unfere Sendung glaubt und der von ihr zu reden weiß wie kein anderer. In ihm, dem die Einheit unferes Volkstums verfchfoflen ift, lebt die Totalität unferer geiftigen Exiftenz, die fich ihm in drei ragenden Gipfeln offenbart, in Mofes, Chriftus und Spinoza. Ihm, dem Spinoza der hochfte aller Menfchen ift, will es nicht in den Sinn, daß wir auf den ver» ziehten, der ihm der größte der Propheten ift, auf den Chriftus. Er fordert ein neues, ein jüdifthes Evangelium, darin der Chriftus dargeftelit wird als das, was er ift, als Jude, der bedingt ift ausfchließlich •durch Jüdifches und der diefes zur höchften Entfaltung gebracht hat. Wirklich, er weiß nichts von uns Juden, aber er weiß um unfer Judentum. Und das liebt er mit einer wiflenden Liebe, die uns befchämt. Mit einer Liebe, die den Ruhm unferer Art verkündet mit hinreißenden Worten voll von leuchtender Klarheit Überhaupt, das Buch ift klar. Bs hat keine heimlichen Worte, bei denen lieh jeder viel denkt, aber jeder etwas anderes. Hier handhabt ein Werkmeifter meißerhart eine klotzige Sprache, die jeder verfteht -~ der denken kann. Genügen diefe kurzen Sätze, um Appetit zu machen? Man glaube mir nur: Diefes Buch hat den Wurf, fo viel auch darin zeitlich bedingt ift, uns alle lange zu überdauern. ERNST PINNER WILLY SEIDEL, Der Sang der Saht je (Leipzig, Infefverlag 1914). Ich habe über ein Buch zu berichten, das ein wenig veraltet ift. Die Saktje, das Räderfchöpfwerk aus rotem Akazien« holz: »Was ift die Trauer der Saktje? Sie trauert darüber, daß die Zeit fich nie erfüllen wird, da fie feiern kann/ fie fingt hoch und fummend das Klage» lied.....Und was fie fingt, ift die Zeit, die unerfättliche Zeit, die uns alle frißt, Gott ift groß, Gott ift fehr groß! Nichts Neues entfteht, und was man erntet, vergeht . . . .« Von Englands Ägypten ift die Rede: von der Liebe des Daüd* ibn" Zabäl zu Percv Aldridge, dem fchlanken, lichten, blonden und blau» äugigen Sohne des fehr ehrenwerten J. W. Aldridge, Ingenieurs beim Be» wäflerungsdepartement. Ich meine, eine Gefchichte, die uns alle fehr angeht (mutato nomine de te fabula narratur) und die dennoch ein wenig veraltet ift. Die Fabel des Romans: Daüd-ibn* Zabäl, bei Fellachen aufgewachsen, durch helle Hautfarbe und Klugheit aus* gezeichnet, ftrebt nach Wiffen, lernt lefen und Schreiben, den Koran rezitieren, geht im nahen Luxor zu den Patres, lernt Eranzöfifch und Englifch, vierzehn Jahre alt, verfucht fein Glück als Reitefeljunge und Fremdenführer. Er lernt den gleich* altrigen Percy Aldridge kennen, wird Laufjunge bei Aldridges, nach Cairo mitgenommen, foll mit nach England. Mit Percy im Streit, ftiehlt er Aldridges lieber eine Zehnpfundnote und bleibt im Lande. Er wird Verkäufer <und Luftknabe) des Schufters Abu Katküs,

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