Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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ZACHARIAS FRANKEL ÜBER DEN Jܬ DISCHEN ERLÖS UNQSBEQRIFF. An die Neuauflage des Gebetbuches des i£[8 begründeten Hamburger Reform -Tempel* Vereins im Jahre 1841, die einen weiteren ^Schritt auf dem Wege zur Entjudung bezweckte, fchloß fich bekanntlich eine ausgedehnte literarifche Fehde an, die unter dem Namen des <zweiten> »Harn* burger Tempelftreits« geiftesgefchichtliche Bedeutung für das Judentum erlangt und weiterhin zu der tiefgehenden religiöfen Zerfplitterung der deutfchen Judenheit erheblicb beigetragen hat*). Der erregte theologifche Streit, an dem fich die erden rabbinifchen Au* toritäten beteiligten, drehte (ich naturgemäß vorzugsweife um den Erlöfungsbegriff und den konkreten Inhalt der jüdifdien Zukunftshoffhungen, der in Hamburg durch die Ausmerzung aller Gebete von national - meffianifchem Charakter eine fo grundlegende Änderung erfahren hatte. Gegenüber den den Hamburger Verkirchlichungstendenzen faft durchweg freundlichen Gutachten der liberalen Rabbiner — um nur die bekanntsten Namen zu nennen: Männer wie Aub, Geiger, Holdheim, Philippfon — beanfpruchen die bemerkenswerten Ausführungen des fpäteren Mitbegründers und erften Leiters des 1854 eröffneten Jüdifch-theologifchen Seminars in Breslau, Zaccarias FranfieC damals Oberrabbiners in Dresden, über die »Großartigkeit der ifraelitifchen Hoffnung« <in der von Julius Fürß herausgegebenen jüdifchwiflenfchaftlichen Zeitschrift »Orient«, Jahrg. 1842, Nr. 7-8 f.) unfer be- Fonderes Interefle. Sie find ein wertvolles Dokument des ohne orthodoxe Verknöcherung gut konfervativen Grundzugs feines im Jüdifdien feftverankerten Wefens. »Der Wunfeh, fagt Frankel, daß an einem Winkel der Erde — und natürlich im Lande unferer Väter, an das uns die heiligften Erinnerungen knüpfen — unfere Volkstümlichkeit wieder frei hervortrete und wir die Achtung genießen, die, wie eine traurige Erfahrung lehrt, trotz fo vieler Fortfdiritte der Auf» *) Literatur und Quellenhinweife: J. M. Joft, Neuere Gefchichte der Ifraeliten, Iii. Abt., S. 192 ff., Graetz, Gefchichte der Juden, 11. Bd. <2. Aufl., 1900), S. 377 ff/ 506 ff. klärung doch gewöhnlich nur einem auch durch äußere Macht vertretenen Volke gezollt wird, hat nichts Ungerechtes und ift: hier keineswegs der Gedanke des Haffes oder der Geringfehätzung gegen das dermalige Vaterland, oder daß wir uns in demfelben als Fremde betrachten und aus ihm uns wegwünfehen, ausgedrückt. Noch weniger Gewicht kann auf den fchalen Einwand gelegt werden, daß doch fo viele ihr Vaterland nicht Verlanen würden. Wir wollen die Überzeugung fefthalten, die Gottheit habe Großes mit uns vor und wir dürfen uns felbft nicht aufgeben,- wir wollen beurkunden, daß trotz tausendjähriger Leiden und Widerwärtigkeiten wir nicht an uns verzweifeln und wenigftens noch die Idee einer Selbltändigkeit, eines felbftftändigen Wiederauflebens zu erfaffen vermögen,- wir wollen es ausfprechen, daß wir den Gedanken, unfer Name werde wieder frei und unabhängig hervortreten, nicht in das Gebiet der Unmöglichkeit verlegen — und die jüngfte Vergangenheit bietet doch manchen Beleg zur Verwirklichung folcher Hoffnung eines an fich nicht verzweifelnden Volkes dar [gemeint ift offenbar vor allem der griechifche Freiheitskampf 1821-1830]. Und ift diefe Idee nicht weit jener flachen und inhaltlofen Gefinnung vorzuziehen, die, aller felbftftändigen Äußerung lieh entwöhnend, nirgend Grund und Halt findet/ ift diefer Gedanke nicht erhabener als die Verwäflerung und Verflachung, die alles, was nur irgend einen felbftändigen Charakterzug manifeftiert, flieht, fich von verächtlicher Nachäfferei und äußern Umftänden ganz beftimmen läßt, keines wahren Aufschwunges, keiner Begeifterung für den Namen Jude und Judentum fähig ift: und in kraflen Materialismus oder in hohlen, jeder Tiefe entbehrenden Kosmopolitismus ausläuft?« BRUNO K/RSCHNER CONSTANTIN BRUNNERS JUDEN-BUCH. Vor etwa einem Jahre erfchien Con- Itantin Brunners Werk »Der Judenhaß und die Juden«*). Jahrelang;ift kein fo hinreißendes und großes jüdifches *> Constantin Brunner, Der Judenhaß und die Juden. Oesterheld®Co., Berlin, 1919, 28° Preis br. M. 16.-.