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Der jüdische Wille · 1919-06-01 · Heft 2 (Juni 1919) · page 37

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 2 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN VOM VOLKSHEIM Man erlaube mir, vom Volksheim ganz perfönüch zu erzählen auf die Gefahr hin, manchem Bekanntes zu fagen. Mir fcheint, als ob fo am deutlichßen dargeßellt werden kann, was das Volksheim iß und was es will* Das Leben diefes Winters im Volksheim liegt hinter mir, und ich glaube, jetzt alles Schone daran deutlicher zu fehen als damals, als ich drin ftand, deutlicher auch die Fragen, die damit verknüpft find. Jetzt, wo ich nicht mehr im Volksheto lebe, denke ich oft an die Wärme des Zufammenlebens, die nicht nur das Volks« heim felbfi, fondern das Leben in der ganzen Volksheimgegend durchfließt. Man. geht auf den Straßen, und man fieht alle paar Minuten ein bekanntes Geficht Alle paar Schritte kommt ein Kind angefprungen, gibt einem die Hand und fagt »Schafom«, Man kennt fie nicht alle, aber fie kennen natürlich die verhältnismäßig wenigen Erwachsenen im Heim. Und diefes Vertrautfein mit den Menfchen mitten in der Großßadt, wo man fonfi: fremd, kalt, unintereffiert an einander vorbeigeht! Man iß zuhaufe in diefen Straßen* Die Tage vergehen im Volksheim mit einer faß unheimlichen Geschwindigkeit* Nur wenige »Helfer« des Volksheims wohnen im Heim: die Siedler <die meißen find an das elterliche Haus gebunden). Eine Siedlerin führt die Wirffchaft. Des Abends, wenn alle jungen Leute nach Haufe gegangen find, die Sitzungen der Gruppen und Klubs ihr Ende gefunden haben, find die Siedler oft noch lange in ihrem Zimmer zufammen. Es gibt vieles zu befprechen, vieles zu erzählen von. dem, was jeder heute in feiner Gruppe an Schonern oder auch an Unerfreulichem erlebt hat. Meiß iß's tief in der Nacht, wenn man fich trennt und die Siedler in ihre Zimmer gehen. Wenn die Siedler dann des Morgens aus ihrem Zimmer herunter zum gemeinfamen Frühßück kommen, iß oft die jüngfte Gruppe des Heimsr der Kindergarten, unter der Leitung einer Helferin fchon beifammen. (Einmal hatte die Helferin fagen laflen, fie könne an diefem Morgen erß fpäter kommen, wir follten uns ein bischen nach den Kindern umfehen. Ich ging in das Zimmer hin» ein: da ßanden die Kleinen auf ihren Stühlchen an der Wand und wifchten Staub an den Bildern, allein, ohne Aufficht.) Drei, vier Siedler wohnen im Heim. Manche von ihnen gehen früh fort/- ihrem Beruf oder Studium nach, andere haben für kürzere oder längere Zeit ihr Leben ganz in den Dienß des Heims geßellt. Die ganz im Heim lebenden Siedler fetzen fich des Morgens oft zufammen und lernen gemeinfam Hebräifch. Aber die Freude des Lernens dauert nur feiten lange. Da klopft es. Ein Mädchen aus dem Mädchenbund fagt im Vorbeigehen Guten Tag oder ein Junge einer Knabengruppe kommt zu gemeinsamem Arbeiten oder zu einer Befprechung. Der eine hat am Nachmittag, zur Zeit des üblichen Zufammenfeins der Gruppe, im Gefchäft zu tun. So kommt er denn öfter am Vormittag, und wir lefen zufammen. Ein anderer Junge kommt/ er iß nach einer böfen Unterhaltung heute von zuhaufe fortgegangen/ Der Vater will ihn nicht zur Landwirtfchaft gehen laflen, und er will nicht länger im Gefchäft bleiben. Der Siedler foll mit dem Vater fprechen. Der Junge zieht einßweilen ins Heim, wohnt mit uns, lebt mit uns. Der Helfer geht zum Vater, er wartet lange, fchfießlich kommt der Vater nach Haufe. Man fagt ihm, er möge feinem Jungen den Willen tun, es fei das Beße für ihn, er habe Luß zu diefem Beruf. Der Vater iß nicht zu überzeugen, er wird erregt und fchließlich wird der

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