Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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106 PEREZ, ZURÜCK ZURÜCK Es tönt das Raulchen von Hunderten und Taufenden zitternder Flügel. Die Schwalbenverfammlung fchwebt Ichon in der Höhe und fteigt immer höher empor. Man lieht fie nicht mehr. Taufende winziger Punkte Ichweben am grauen Himmel. Von der Höhe herab fehen fie eine weite, weite Welt. Nach einer Weile Ichweben die Scharen wieder herab mit dem freudigen Ruf:. »Zurück, zurück!« Das heißt: »Wir muffen weg, weg von hier! Weit weg! Wir weichen der Kälte, wir weichen dem Schnee, wir wollen Wärme und Licht!« Als fie fich aber zum letzten Mal vor dem Fortfliegen auf die Zweige niederließen, mußten fie eine Strafpredigt anhören. Die Verwundeten und Angefchoffenen fagten nämlich: »Wohin wollt ihr fliegen? Kann man denn dem Tode entrinnen? Alles ift in Gottes Hand! Treiben euch nicht fündige Gedanken? Fliegt ihr nicht auf den Flügeln des böfen Triebes? »Hier iß: euer Heim, hier in diefem Walde, wo euch die Flügel wuchfen, wo ihr fingen lerntet, wo ihr eure Neßer bautet, eure Alten betrauertet und eure Toten beweintet. Die Bäume blühten von eurem 'Gefang, in der Luft hängt noch euer Morgen^ und Abendlied. »Leichtfmnige Vögel feid ihr, eure Seelen ftecken in den Flügeln und Beinen, aber nicht in den Herzen! »Und wenn ihr uns hier zurücklaßt, wer wird euch in der windigen Höhe Moral predigen, Strafreden halten? . . .« Die Gefunden aber hörten nicht auf fie und flogen davon! . . . J. L. PEREZ Deutfcß von Afexancfer EfiasBerg