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Der jüdische Wille · 1919-06-01 · Heft 2 (Juni 1919) · page 25

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 2 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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SCHUTZ, JÜDISCHE ERLEBNISSE 95 Juden führen« Als wir vor der Baracke anlangten, kam ein Zugführer, ein ungarifdber Jude, heraus und hieß uns vor der Türe warten! bis er als Kommandant der Baracke kommen, würde, unfere Perfonalien aufzunehmen. Darauf kam ein anderer Zugführer, gleichfalls ein ungarifdber Jude, heraus und erklärte, er fei der Kommandant. Wir follten nur ruhig in die Baracke hineinkommen, dort würde er unfere Perfonalien aufnehmen. Um nicht länger in der Kälte draußen ßehen zu mülfen, erkannten wir die Herrfchaft des zweiten Kommandanten an und gingen feinem Befehl entfprechend in die Baracke hinein. Der Anblick war nicht erfreulich. Die Baracke war anlcheinend ein alter Viehfiall und hatte nur auf einer Längsfeite Fenfter. Auf zwei über* einanderliegenden Reihen von Holzpritfchen lagen etwa 200 Mann, zur Hälfte Ungarn, zur anderen Hälfte Galizier, unter anderen auch eine ganze Anzahl von Zivilgefangenen. Unter letzteren war ein mehr als fiebzigjähriger Greis aus Ungarn mit drei erwachfenen Söhnen. Nachdem er, fo erzählte er, die Ruffen techs Wochen lang auf feinem land* wirtfihaftlichen Gute hatte verpflegen mülfen, ßeckten diefe beim Rückzüge feine ganze Habe in Brand und landten ihn mit feinen drei Söhnen nach dem Fernen Oßen. Einige der Zivilgefangenen lebten noch fireng nach dem Gefetz und nährten ficfa hauptfächlich von Brot, Kartoffeln, in WafTer gekochter Buchweizengrütze und ein* bis zweimal in der Woche von mit Pfeffer und Zwiebeln gekochten Fifchen. Wir neuankommen* den fünfzehn bis zwanzig Mann wurden recht freundfihaftlidi begrüßt, trotzdem durch uns der Raum für jeden einzelnen noch mehr einge* fthränkt wurde. Unfere Ankunft hatte noch einen weiteren Nachteil für die früheren Ankömmlinge. Es war nämlich einige Wochen vorher ein befferer ruffifcher Jude aus der Stadt, anlcheinend ein Arzt, auf feinem Wagen ins Lager gekommen und hatte Geh dort nach der Zahl der jüdifihen Kriegsgefangenen erkundigt, um für lie zu Peßach Mazzes zu beforgen. Nun mufften die Mazzes anfiatt unter einhundertaditzig unter zweihundert Mann verteilt werden, wodurch naturgemäß die Portionen erheblich an Größe einbüßten. Kurze Zeit nach meiner Ankunft kam derfelbe Herr wieder ins Lager gefahren und regelte mit dem tßheefaifchen Kommandanten unfere Peßachverpflegung in folgen* der Weife; Die einheimilchen Juden (teilten in der Stadt außerhalb des Lagers eine Küche mit neuem Gefihirr zur Zubereitung des Mittag* und Aiendeffens zur Verfügung. Der Lagerkommandant gefiattete, daß täglich zehn bis fünfzehn Juden in die Stadt gingen, um Vorräte zu kaufen, das Effen zuzubereiten und es dann ins Lager zu bringen, Das Effen, beftehend aus Rindfleilchfuppe, kofeherem Kindfleifih und reichlich Kartoffeln, fchmeckte uns ausgezeichnet. Zu den beiden Haupt* feiertagen durften wir in Begleitung von Pofien in die Synagoge gehen. Diefe war nicht Gemeindeeigentum, da die Bildung einer Gemeinde dort nicht gefiattet war. In diefer alten etwa 40—45 000 Einwohner zählenden Stadt, der früheren Refidenz der Tartarenkönige, lebten fechzig bis fiebzig jüdifche Familien, alle anfeheinend fehr wohlhabend und bereits fiark affimiliert. Die Herren gingen durchaus europäißh

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