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Der jüdische Wille · 1919-06-01 · Heft 2 (Juni 1919) · page 20

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 2 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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90 DEUTSCHMANK JUDENTUM - DEUTSCHTUM * JUDENTUM ~ DEUTSCHTUM ~ SOZIALISMUS®) Auf zwei Momenten bafiert unfer Zionismus: auf der Wefens** fremdheit, des jüdifchen Volkes und feiner Gaßvölker und auf dem Glauben an feine kulturelle Schöpfungskraft. Die Richtigkeit beider Punkte ift von unfern Gegnern oft angegriffen worden: die die Wefens* verßhiedenheit des jüdifchen Volkes und feiner Umgebung zu leugnen verfuchen, find bezeichnenderweife Judenes liegt ja auch in dem Wefen der Affimilation, daß das Beßreben der Angleichung zur Negierung der vorhandenen Differenzen führt. So konnte ein Buch wie Hermann Cohens Schrift »Deutfchtum und Judentum« <Von deutfeher Zukunft, Gießen 1916, 2. Auflage, Verlag Alfred Töpelmann) entfiehen, durdi das zwar die nächße Geifiesverwandfchaft zwifchen Judentum überhaupt und dem doch auf völlig anderem Boden, durch andersgeartete Menfchen und unter anderen Verhältniffen kultivierten Deutfchtum nachgewiefen werden follte, ein Verfuch, der fich nur als die Tendenz der Recht* fertigung der Affimilationsepoche aufiFaffen läßt: man bedenke nur, ob etwa Annliches vor diefer Zeit hätte gefchrieben werden können <vgL auch Klatzkins Abhandlung im Juden, 2. Jahrg,, Heft 4—6.) Diefer tendenziös * programmatifchen Darfiellung ßeht die Tatfache der An* erkennung unferer nationalen Eigenart durch unfere Umgebung und nunmehr ja auch durch die offiziellen Mächte gegenüber, eine Tatfache, die allerdings auch der Begründung des Antifemitismus dient: und fo wurden den jüdifchen Aflimilanten bald die die Wefensfremdheit bejahenden deutfehen Antifemiten und der Zionismus zu Gefinnungs* genoffen. Das darf uns bei der ehrlichen Auseinanderfetzung mit der Kultur unferes Gaßvolkes, in der wir groß werden, naturgemäß nicht beirren,- für uns handelt es fich darum, ehrlich mit allen denen uns auseinanderzufetzen, die den Konflikt zwifchen Deutfchtum und Judentum erkannt haben. Ich möchte hier an die leider beinahe in Vergeffenheit geratene Kunfiwartdebatte erinnern, die ein wichtiger Markßein diefer Auseinanderfetzung war. Und bei diefer Fragefiellung taucht denn auch bald der Zweifel an dem zweiten Moment auf, auf dem unfer Zionismus beruht, dem Glauben an die kulturelle Schöpfungs* kraft des jüdifchen Volkes. Diefer Zweifel, diefes Ablprechen nicht der nationalen Individualität, fondern der nationalen Aktivität kommt eigentlich faß nur von wahrhaft antifemitifdier Seite <ohne daß ich das wefen des Antifemitismus damit identifizieren wollte!>,• ich er* innere etwa an Chamberlain oder die Darßellung des degenerierenden jüdifchen Einfluffes auf die deutfehe Kultur von anderen Antifemiten. Umfo erfreulicher iß es, wenn gerade in letzter Zeit fich wieder* holt auch bei unferem Wirtsvolke Männer fanden, die bei vollem Ver* fiändnis für die nationale Verschiedenheit beider Völker doch fehr wohl •> Blüher, Deutfehes Rcidi, Judentum und Sozialismus. I1/« °. Georg Sternidke Verlag, München 1919. Preis 1.20 M.

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