Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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STRAUS, DER JUDE BENJAMIN DISRAELI 89 die meiften anderen Politiker. Beruht, wie vielfach behauptet wird, diefe Neigung, Prinzipien zu mißachten, auf der geringereii Verbunden* heit der Juden mit den grundlegenden phyfiftfien und geiffiigen Lebens* vorausfetzungen ihrer Umgebung? Sicherlich auch das. Aber man darf diefes Motiv nicht, wozu auch in unferen Kreifen Neigung befteht, als das allein ausfchlaggebende betrachten. Disraeli zumal ftand zu tief im englifihen Leben, hat felbft zu fehr das englilche Leben beeinflußt, als daß in feinem Falle die Behauptung von der geringeren Verbunden* heit etwas anderes als eine böswillige oder befchränkte Übertreibung wäre. Auslchlaggeberid gerade in feinem Falle war vielmehr zweifellos neben feiner wirklichen perfönlichen Überlegenheit jene gemeinjüdiföhe, aus dem Leben in der Diaspora erwadifene Mimikry^Überlegenheit Wir nähern uns mit diefer Betrachtung der Frage über den Wert und Sinn der Diaspora. Das politifche Urteil wird und muß die Diaspora entweder preifen oder verdammen,« das betrachtende Urteil muß erkennen, welche eigenen Erl&einungen diefe einzigartige nationale Lebensform der jü* difihen Diaspora gefchaffen und daß fie allein den Juden die Be* wahrung eines vergleichsweife beträchtlichen geiftigen und fittlichen Hodhfiandes ermöglicht hat. Die Betrachtung von Disraelis Persönlichkeit führt uns tief hinein in die Geheimnifle der jüdifchen Geläiichte. Welchen belferen Beweis könnte man fidh dafür denken, daß diefe Perfönlichkeit im Jüdilchen verwurzelt war? München RAPHAEL STRAUS