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Der jüdische Wille · 1919-06-01 · Heft 2 (Juni 1919) · page 17

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 2 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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STRAUS, DER JUDE BENJAMIN Dl SR ABU 87 Das femitifche Raffegefühl des endlichen Staatsmannes konnte, fo fehr es ein bezeichnender Zug feines wefens iß, in feinem praktifihen Leben keine Bedeutung gewinnen» Das ganze Raffegefähl bleibt auf das Bewußtfein, von edler Abkunft zu fein, befchränkt, Diefes Bewußt* fein läßt Disraeli die Judenemanzipation damit begründen; man mülfe den Juden Rechte gewähren, nicht weil auch fie Menfdben, fondern weil »kein exißierendes Gefchlecfat fo viel Anfprudi auf die Achtung und Dankbarkeit der Gefellfchaft hat als das hebräilche«, und verläuft fich fchließlich in der mehr naturwiflenfchaftlichen Anfchauung, die zu* tage tritt in Ausfprüchen wie: »Die Araber find Juden zu Pferde« oder: »Was wären wir, wenn nicht fyrilch^arabifihe Gedanken unferen Geiß gebildet hätten!« <Tankred>. Die Juden Europas nennt er im Ernß einen »Beduinenßamm« oder Geblüte <George Bentinck). Die Verwandtlchaft mit den Juden wird nur mehr mittelbar im urfprünglichen Heimatboden der Ralfe gefunden, die Syrer und Araber, die mit dem hißorilchen Beruf der Juden höchfiens als Feinde zu tun haben, werden als die die Verwandtfchafi vermittelnden Glieder genannt, und das gefdiichtlich gewordene Judentum fällt völlig unter den Tifch. Auch diefer Typus Jude oder Judenßämmling, dem die Ralfen* erinnerung nur mehr ein fanftes Klingen im Ohre iß, ohne je deutliche Töne gewinnen, aber auch ohne je ganz verßummen zu können, iß unferer Erfahrung nicht unbekannt- Bemerkenswert bei Disraeli iß weniger, daß auch er diefes Klingen vernommen, als daß er diefer zum Ursprung von Entwicklungen nicht berufenen Seelenfiimmung folchen Wert beigemeffen hat. Er war ein Menfch mit klaren und fiarken Infiinkten und nicht geneigt, über dem Reichtum feines äußeren Lebens felbfi nur die Schnörkel in der Architektur feines Innenlebens zu vergelten. So leitet uns die Betrachtung feines Ralfegefühls hinüber zu tieferen Erkenntnilfen feiner Gefamtperlönlichkeit. Nur gelegentlich erfcheint es, als ob von diefen im Hintergrund der Seele fchlummernden Stammesbewußtfein unter Umfiänden auch Verfiändnis und Intereffe für die Juden in ihrer gegenwärtigen Realität, ein Impuls zu Entfchlüffen und Taten und eine Entwicklung diefes Stammesbewufifeins felbfi hervorgehen könne. Wir fprachen von def Begründung, mit der er für die Judenemanzipation eintrat; viel Ver* fiändnis für die Größe des überlieferten Judentums beweiß er, wenn er fchreibt: »Eine Ralfe, die nicht davon läßt, ihre Weinlefe zu feiern, obwohl fie keine Früchte zu pflücken hat, wird ihre Weinberge wieder erlangen«. Der Roman »David Alroy« fchließlich behandelt eine Epifode aus der babylonifch*jüdifchen Gelchichte und verrät, daß Disraeli Kenntnilfe in der jüdifchen Gelchichte befaß. Bezeichnend vor allem iß aber dabei das Motiv, das die Juden als unterdrückte und auffiändilche Nation zeigt, deren Revolutionsziel die politilche Unabhängigkeit nur um der kulturellen Unabhängigkeit willen darfiellt. Ihr Führer Alroy fcfaeitert, als er auf der Höhe des Erfolges im Politifdien Genüge findet. Wer weiß, wohin Disraeli fein unbefangenes Urteil und feine politifche Phantafie geführt hätten, wenn nicht der ganzen perfönlichen Zeitlage nach das Ziel feines politifdien Strebens feßgeßanden hätte.

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