Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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82 KROJANKER, MENSCHHE1TSBEGLÜCKUNGSWAHN find. Noch in einem Airffatz, der das Hervortreten von Juden bei An* gelegenheiten, bei denen es um die „entfcheidende Geftaltung der deutfchen Zukunft geht, bekämpfte, mußte ich als Zionift doch dies, fagen: «AI! diefe Menfihen find unfere Brüder. Es ift feige fidi von ihnen loszufagen, und nicht der Wahrheit entfprechend, fie als zufällige Einzelne zu bezeichnen. ., . Noch der Letzte von ihnen hat in der Reinheit feines Ethos, der Kraft feines Willens, ja felbft der Dumpf* heit feines Fanatismus, in dem Durchglüht* und Befeffenfein einen, Hauch wenigftens von dem großen jüdifthen Erbe, das wir in unferem Blute bewahrt haben.» <Kunßwart XXXII 18>. Ja, bei Männern etwa wie Eisner und Landauer, konnte es wirklidi fo Icheinen, als follte das vermeffene Wort von der Umkehrung der jüdifihen in die deutßhe Aufgabe zur Wirklichkeit werden. Mir ifi: nicht bekannt, daß der K. Q hier mit^ geholfen hat. Aber mir ift bekannt, daß der Zentralerem, als deflen Stoßtrupp der K. C. fungiert, an den Straßenecken Münchens durch Plakate bekannt gab, daß die jüdilche Gemeinlchaft jeden Zufammen* hang mit diefen Männern, die als zufällige und unverantwortliche Einzelne zu betrachten feien, ablehnen müffe. Das gefihah aus Angft vor dem Antifemitismus. Und das ift wieder eine Einftellung, die wir zwar nicht mitmachen, die aber immerhin als Programm zu betrachten fein mag. Nur mit Erdballgefinnung dürfte fich das fihwer vereinigen laßen. Wem der Völkerfrieden um den Preis des Sozialismus zu hoch, bezahlt fcheint, für den bleiben fchließlich noch die verschiedenen pazi* fiftifihen Bünde bürgerlicher Männer und für ganz Naive Wilsons Völkerbund. Und ich kann es mir nicht anders vorftellen, als daß der K. C. nun in lebhaft fich befehdende Gruppen zerfpalten ift: hie Wilson^ anhänger, hie Sozialiften, hie bürgerliche Pazififten, hie fonftige Spiele arten der gleichen Richtung,- daß die Diskuffion herüber una hinüber geht und daß jede diefer , Gruppen in ihrer Art zur Tat gefihritten ift.*> Statt denen fihreibt ein einfamer Träumer einen fcfaönen Auffatz. Und auch er fihreibt ihn weniger aus innerem Bedürfnis, als weil ihm die ehrenvolle Aufgabe zuteil wurde, den Zionismus zu bekämpfen- Seine Gefinnungsgenolfen aber lefen es, freuen fich, daß fie nun auch eine Idee haben und daß es eine noch viel Ichönere und erhabenere ift als irgendeine auf Erden. Wie fagt der Verfalfer? Auf die Seite, fagt er, pflege die Schale des Lebens fich zu neigen, auf der das höhere Ethos ftehe. Meine Gefchichtsauffaffung zwar ift nicht fo optimiftifih, aber ich hoffe inftändig, daß er recht h*£. Müncßen GUSTAV KROJANKER •) Bei uns zum Beifpiel hat tatfädilidi die Frage etwa nach dem künftigen Aufbau Paläfönas oder nach der Intenfivierung unferer inneren Jüdifihkett derartige Folge» gehabt. Und es bleibt Sache der ganz Dummen, diefe Gruppenbildungen uad Wandfungen der Ideologie uns zum Vorwurf zu machen, ftatt fie als das zu nehmen, was fie find: als ein Zeichen von Leben und innerlichem Erfaßtfein.