Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2827066-2827074-2827076--0495-2827598- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
KROJANKER, MENSCHHEITSBEGLÜCKUNGSWAHN 81 jetzt war eine Zeit, wo man beweifen konnte, weldie Gefinnung in «einem glüht und zur Tat drängt. Und es hat tatfächlich in allen Ländern Männer gegeben, denen diefe Zeit nidit die große, fondern eine fihma&volle war und die, wenn fie fthon am Reden verhindert waren, durch Schweigen und Paffivität bewiefen haben, wes Geiftes Kind fie find. Mir iß nicht bekannt, daß ein K. C.*er unter ihnen war. Aber mir iß bekannt, daß, falls doch einer darunter gewefen fein Tollte, der Bannßrahl feines Verbandes ihn getroffen hätte. Andere Töne als die von der Erdballgefinnung, rauhe und kriegeriicfie klangen auf denfelben Seiten derfelben K. C.-Blätter, auf denen es heute fihmeichelnd vom ewigen Frieden fingt. Die K. C.*Blätter waren deutfchnational bis auf die Knochen; deutfihnational: nicht im Sinne <der Geißesheroen früherer Jahrzehnte, fondern in dem der nationalen Selbßfucht, der Macht und der herrlicher Glorie. Und welche Ent* rüßung hat es gegeben, als wir <die wir in Wahrheit viel pazififiifcher gefiimmt find) es als unhuman und unjüdifih geißelten, wenn man dort unter anderem etwa lefen mußte, wie herrlich es anzufihauen war, als der Tomy vor der deutfihen Feuerwalze hopfie. <Herrlich, hopße! Wißt Ihr noch? S. 324). Der K. C. wird felbß nicht leugnen wollen, daß er ganz darauf eingefiellt war, fich als deutfih im oinne ♦diefer Zeit zu beweifen und hinter den Nationalen der Nationalen nicht zurückzußehen. Und das iß eine Einßellung, die wir zwar nicht mitmachen, die aber immerhin auch ein Programm fein mag. Nur iß für den Außenfiehenden fchwer erfichtlich, wie das Eintreten für deutfeh* nationale Größe fich mit der Erdballgefinnung hat vereinigen laffen. Nun gut, im Kriege hat Ludendorff die Umwandlung der Deutfihen in die jüdifihe Aufgabe erfolgreich verhindert. Und heute? Ach, wie bequem iß es, Auflatze über Erdballgefinnung in einer Zeit zu Ichreiben, in der jedes Käfeblättchen vor Humanität trieft und in der fich verdächtig macht, wer das Wort Völkerfrieden nicht im Munde führt. Ich meine, es dürfte mit dem Auffatzfihreiben und mit der fihönen Gefinnung, felbß wenn fie in jedem einzelnen lebte, nicht abgetan fein. Junge Menfihen, durchglüht und befeelt von einer großen humanen Idee, wie müßten die in diefer Zeit Partei ergreifen, zu Handlungen drängen und allen fichtbar da fiehen, wo es um ihre Sache geht. Wo geht es um ihre Sache? Hier allerdings können Zweifel entßehen. Es fieht fo aus, als ob der Weg zum Völkerfrieden, wie die Dinge heute liegen, nur über die Arbeiterinternationale fuhrt —* fofern er über* haupt gangbar iß. Denn das dürfte feßßehen: wenn irgendwo auf «der Welt Erdballgefinnung mehr als eine Phrafe iß, dann bei den wahrhafi Revoloutinären, bei den Verfolgten und Geächteten. Und wenn überhaupt menfihliche Gefinnung zum Völkerfrieden führen kann, dann muß fie in vielen von der Kraß fein, die in diefen Männern lebt. Und daß unter ihnen Juden in unverhältnismäßig großer Zahl wirkfam find, fpricht in der Tat für die Annahme, daß der jüdifihe Menfih fiärker als die anderen vom Menfihheitsethos befeelt iß. Sicher iß jedenfalls, daß diefe jüdifchen Revolutionäre den Stempel unferer Gemein* ichaft tragen, daß fie durch deren Gefdiick von innen und außen befiimmt