Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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80 KRQJANKER, MENSCHHEITS8EGLÜCKUNGSWAHN auch ohne fein Zutun als Mußer und Vorbild dienen, und es braucht ihn nicht weiter zu kümmern. Und hier gerade liegt der Kerngedanke des Zionismus. Für 4en Zionißen fieht am Anfang nicht ein ethifcher Satz,. fondern das lebendige Leben? Nicht auf abgeleitete Weisheiten hat er gebaut, fondern auf etwas fehr Blutvolles und Wirkliches: auf den jüdifihen Menfihen. Und nicht auf den jüdilehen Menfihen als den Verkünder einer Heilswahrheit, fondern auf ihn als eine Totalität Er nimmt ihn, wie er da iß: mit feinen Gipfeln und Abgründen, mit dem Shylock ebenfo wie mit dem Heiland in ihm. Und er lebt des Glaubens, daß .diefer jüdifihe Menfch, normalen Dafeinsbedingungen wiedergegeben, auch wieder eine Kultur zu fchaffen imfiande fein wird, die vor dem Forum der Menfihheit würdig beßehen kann. Und er mag fo kühn in feinen Hoffnungen, fo ßolz „auf die Art feines Stammes fein, daß er fogar Kulturleißungen erwartet, die im Bilde der Menfihheit leuchten und fie <— wie fihon einmal zu einer höheren Stufe der Gefittung führen werden. Aber notwendig liegt das nicht in der Idee •des Zionismus. Notwendig liegt in ihm nur die Erkenntnis, daß eine lebendige Gemeinfihaft Grundlagen konkreterer Art braucht als einen philofophifihen Satz, auf deflen Allgemeinheit kaum ein Verein kon* Itituiert werden kann. Auf die Schaffung diefer konkreten Grundlagen kommt es ihm an. Gelingt ihm die, dann wird das Leben felbß ein neues Ethos verwirklichen, während liberale Gelehrte noch immer darüber Breiten, welche Lehren fich aus den Gefchichtsbüchern ergeben. Welchen Einfluß dies neue Leben auf die Menfihheit haben kann, iß nicht unfere erfie Sorge. Aber es kann kein Zweifel fein, was fiärkeren Einfluß auf fie haben wird: ob die gelebte Sittlichkeit eines feß~ gegründeten Volkes oder das verhallende Wort einer verachteten und in lieh felbß zerfallenen Gemeinfihafi in fremden Landen. Das klingt befiheidener als das erhabene Pathos von der jüdilehen Aufgabe, »Völkerfrieden und Erdballgefinnung herbeizuführen«. Befiheidener und wie ich glaube — wahrhafiiger zugleich. Ich will mir nun nicht wieder vorwerfen laffen, daß ich die Ehrlichkeit meiner Gegner in Zweifel ziehe und mich damit einer häßlichen und unfachlichen Polemik fihuldig mache. Aber es würde mir den Atem benehmen, wenn ich die Anfrage unterließe, was der K. C. zur Herbeiführung feines großen Zieles bisher unternommen hat. Keine Behauptungen alfo, fondern nur Anfragen. Denn es könnte ja fein, daß ich, ein Außenfiehender, der (ich mit der Lektüre der K. C.^Blätter leider begnügen muß, gar keinen Begriff davon habe, wie fehr das Leben in den K. C-Verbindungen von dem Gedanken an das Glück der Menfihheit durchglüht iß und wie man mit der Idee des Völkerfriedens am Abend zur Kneipe und mit der von der Erdballgefinnung am Morgen zum Frühfihoppen geht. Für den Außenßehenden jedenfalls iß das nicht bemerkbar, w ie fagt doch unfer Verfaffer? »Überall da, wohin wir gefiellt find, müflen wir zur Erreichung diefes Ziels wirken, durch 4as Vorbild unferes Lebens, durch den Hinweis auf unfere Gefthichte, durch Beeinfluflung von Menfch zu Menfch«. Wunderfihön! Nun,