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Der jüdische Wille · 1919-06-01 · Heft 2 (Juni 1919) · page 9

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 2 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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/ KRQJANKER, MENSCHHEttSBEGLÜCKUNGSWAHÜ 79 und diefe Überzeugung iß die Grundlage für die ausfihweifenden Weltherrlchaftsgelüße der Panflavisten. Dem Engländer aber iß fchon feit langem Britentum und Humanität eirt gleimbedeutender Begriff, und immer noch hat er feinte Eroberungen durch den Gedanken vom ewigen Frieden, der ihm ein pax britannica iß, fittlich begründet Auf Grund des Menlchheitsgedankens hat das Chrißentum mit Feuer und Schwert gewütet. Der Kosmopolitismus diefer Art alfo, der ein ab* geleiteter und ein Umweg iß, hat etwas höchß Fragwürdiges. Er1 beruht darauf, daß jede , Gruppe Geh im Befitz der allein richtigen Menlchheitsidee glaubt und fich deshalb nicht vorßellen kann, daß die Einigung der Menfthheit anders als durch den Sieg ihrer Idee möglich iß. Es iß hier nicht der Platz über die Entßehung der Auserwählt* heitsidee im jüdilchen Volke, ihren Sinn und ihre Bedeutung für frühere Zeiten zu handeln. Aber daß fie fich heute, gleichgiltig ob fie nun im Munde von Liberalen oder Zionißen geführt wird, höchßens durch inhaltliche Nuancen, auf die es hier nicht ankommt, aber gärnicht in ihrem Wefen und in ihren Wirkungen von der der anderen unterßheidet, erfcheint mir zweifellos. Der Verfaffer bezeichnet eSs als jüdilche Aufgabe, »Völkerfrieden und Erdballgefinnung herbeizuführen«. Und er hält es für einen » fthönen Beitrag zum Wiederaufbau des deutlchen Vaterlandes, wenn er »aus der jüdißhen, der menfihlichen Idee die deutlche macht«. »Kein Verdienß könnte größer fein, nichts könnte unmittelbarer und pofitiv fördernder . . . den beiden Gemeinfthafien, denen wir angehören, der jüdifchen und deutfehen, dienen«. Ich zweifle nicht, daß Sätze wie diefe vorßehenden von jedem Deutfehen als Dummdreifiigkeit empfunden werden müITen* Er wird fich befiens dafür bedanken, wenn er feine letzte und tieffie Aufgabe, die den Sinn feines nationalen Dafeins aus* macht, von den Herren liberalen Juden oder gar direkt vom K. C. beziehen foll. Er hat das auch wirklich nicht nötig. Er faßt feine Menfchheitsaufgabe auf feine Art und hat fie durch den Mund feiner großen Denker bereits zu einer Zeit ausgefprochen, als das liberale Judentum mitfamt feiner Beglückungsidee noch garnicht exifiierte. Und wenn das deutfehe Volk gelegentlich von feinem belferen Wege abirrte <— ach, es iß ein lebendiges Volk, das nicht als ein Tugend*- bold fein Dafein nach einem abßrakten Lehrfatz aus alten Zeiten gefialtet <— wenn es abirrte, fo wird es eines Tages zurückfinden, vielleicht auf ganz neuen und eigenartigen Wegen, auch ohne vom K: C. dabei an die Hand genommen zu werden. Es iß eben nichts mit der Menfihheitsbeglückung, die dariri beßeht, daß eine Gruppe die andere mit ihrer Heilswahrheit feelig machen und auf den Pfad der Tugend führen will, der ihr als der richtige erfcheint. Es liegt eine grenzenlofe VermefTenheit in diefem Menfdineitsbeglückungs* wahn. Und dies um fo mehr, wenn er von Menlchen ausgeht, deren ganze Exißenz fich eingefiandenermaßen in der ethilchen Formulierung diefes Wahns erfihöpft. Jeder beßelle fein eigenes Haus. Und er tue das nicht in der Abficht, dem Nachbar zu zeigen, wie fdiön er das macht. Denn wenn er es wirklich recht beßellt, dann wird er

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