Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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78 KRÜJANKEK, MENSCHHEITSBEGLOCKUNG SV?AHN Külturftufe gibt. Wozu unter Mühe und Leid eine Sondergemeinfchaft zur Durchfünrüng von Aufgaben aufrecht erhalten, die andere ebenfö als die ihren anerkennen? Diefem Einwand hat der Verfaffer vorgebeugt. Er fpricht an einer Stelle davon, daß wir unferer Art nach die intenfivften Vertreter diefes Gedankens feien, daß die Erkenntnis der anderen unferer Wirk« lithkeit entfpreche. Sie war es vielleicht einmal/ es iß fraglich, ob fie es heut noch iß. Aber gefetzt felbß — dann wäre alfo die Fort« erhaltung des Judentums nichts anderes mehr als »ein notwendiger technifcher Kunfigriff, mit delfen Hilfe man zur Menldiheit gelangt.« Es foll Zionifien geben, die ihren Zionismus auf diefe Art begründen. Und über fie hat der Verfalfer mit vollem Recht die Schale feines Zorns ausgegolfen. »Haben wir noch nicht genug technifihe Mittelchen und Kunßgriffe zur Brßidkung des Menßhlichen?! Blättert doch ein wenig nach in den Seiten jüngßer europäifcher Hifiorie, Ihr werdet Euch Eure Finger befchmutzen mit klebrigem Blut, das wir einzig der Freude des Menfihen an Umweg und Kunßgriffe verdanken, was iß denn aber feine Art des Judentums anderes, als ein Umweg? Mich dünkt, daß man auch beim Blättern in den Seiten der jüdißhen Hifiorie feine Finger mit Blut befchmutzt, obfehon doch der Zionismus erfi jüngfien Datums iß. Auch das Befiehen einer bloßen jüdifchen Religions« gemeinfehaft föhafft Pogromopfer und unendliches Leid anderer Art, das weniger fichtbar, aber darum nidht weniger fchmerzlich iß. Und es fcheint mir eine große Vermeffenheit, wenn der jüdifdhe Liberalismus "(ich den »geraden Weg zur Menfchheit«, den Zionismus aber einen Umweg nennt, delfen Pfade mit Blut befudelt find. Wir wilfen heute noch nicht, ob der gerade Weg zur Menfdhheit überhaupt möglich iß. Aber das wiffen wir, daß als gerader Weg nicht der bezeichnet werdea kann, der von einer hiftorifch gegebenen Gruppe, gleichgiltig welcher Art, gegangen wird, fondern nur der, den gleichgerichtete Individuen der verfchiedenfien Herkunft mit dem Ziel auf die Menfchheit einge* Ichlagen haben. Die Arbeiterinternationale, die pazififiifchen Bünde lind von diefer zweiten Art. Alle anderen aber machen einen »Umweg«, und es befieht in diefer Hinficht kein Unterfthied, ob man fich Volks* oder Religionsgemeinfihaft nennt. Es hat nämlich feine eigene Bewandnis mit dem Kosmopolitismus hiftorifch gegebener Gruppen. Sie alle tendieren auf die Menfchheit,- fie alle haben den tiefen Drang, ihre Exiftenz vor einem höheren Forum, dem der Menfchheit, zu rechtfertigen. Und fie alle tun das in der gleichen Weife, indem fie fich dem lieben Gott als den alleinigen Ver* treter irgendeiner befonders erhabenen Idee empfehlen. Das jüdifche Volk hat zwar als erfies den Begriff der Auserwähltheit konzipiert <er findet fich fchon im Mythos von feiner Entfiehung), aber das hindert nidht, daß heute jedes Volk fich für das Auserwählte hält und die geeinte Menfchheit dadurch herbeizuführen befirebt iß, daß es fidh felbef durchfetzt. Am deutschen Wefen follte bekanntlich die Welt genefen, was von den Betroffenen abgelehnt wurde. Der Rulfe iß überzeugt, daß es ihm vorbehalten bleibt, der Welt »das neue Wort« zu fagen,