Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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KROJANKER, MENSCHHEITSBEGLÜCKUNGJtyAHN 75. einem höheren Ziel fein könne, dem eine lebendige Gemeinfchäft not* wendig zufirebe und dui;ch das ihr Leben erß feinen Sinn erhalte, Diefe Idee vermißte ich beim K. C. Ich fügte jedoch gleich hinzu/ daß die K. C.*er um eine Antwort nicht verlegen fein und mit der meffia* nilchen Idee in der abßrakten und verwäfferten Form des liberalen Judentums aufwarten würden, um fich als Gemeinfchäft einer finnvollen und hochfiehenden Zielfirebigkeit zu präfentieren. Es war mir als unnötig erfchienen, diefe Idee felbß und ihre Tragfähigkeit für ein lebendiges Gemeinwefen zu prüfen, da ich fie immer nur für eine Verlegenheitsausflucht hielt, die fich leicht vorbringen läßt, zu nichts verpflichtet und ihre Exifienz nur im Wörtichatz, nicht aber im Herzen des liberalen Juden hat Ja, ich war fo weit gegangen, in meiner Unwiffenheit ganz ernfihaft an die K. C.*er die Frage zu richten, ob ihnen nicht die Schamröte ins Gefleht ßeige, wenn fie, von uns gefiellt, mit Hilfe einer Idee parieren, deren Belanglofigkeit für das Leben ihrer Mehrheit ihm felbß kaum zweifelhaft fein könne. Diefen meinen Einwürfen gegen die Grundlagen der K. C* Exifienz entgegnete Herrr Dr. Erwin Seligmann in den K. C.*Blättern <IX, 3—4> mit der Darlegung der meffianifcnen Idee als dem erfüllenden Ziel des K, C.*Geifies. Und er tut dies in einem Ton warmer Überzeugung, auf Grund deffen man wenigfiens ihn felbß das Durch* diungenfeins von Gedankengängen diefer Art gern zubilligen wird. Daß aber auch feine Gefinnungsgenoffen des gleichen Geifies in Wahrheit voll feien, kann er nicht dadurch glaubhaft machen, daß er auch uns eine Divergenz zwifchen Idee und Wirklichkeit vorwirft. Es fdheint mir wirklich unnötig, über den Unterlchied in dem Erfülltfein durch die zionifiilche und die liberale Idee bei der Mafle ihrer Anhänger Worte zu verlieren. Ich will vielmehr unabhängig von diefer Frage nachholen, was ich verfäumte, nämlich die Prüfung diefer Idee felbß/ und erß dann auf dies heikle Thema in der Form befcheidener An* fragen zurückkommen. Worin alfo befieht das Judentum des K. C.*ers? »Lebe fo, daß alle leben können. Mach aus deiner zweiten Natur, deiner göttlichen, die erße und urfprüngliche, entfage zuerfi dem eigenfüchtigen, dem Handeln zur Durcnfetzung deiner Sonderinterrefleri, ob du nun Einzel* menlch oder Gefamtperfönlichkeit, Staat, Verein, Volk, Klafle, Raffe. Dies iß der ureigenße Inhalt der jüdifdien Religion, ihr ewiges Wefen, ihr unwandelbarer Gehalt im Wechfel der äußeren Erlcheinungsformen . . ♦ Diefer Gedanke iß der rote Faden, der durch die Gefchichte unteres Stammes zieht... Die Beibehaltung diefes ethifch*menfchheitlidien Prinzips iß uns Gewähr für das Fortbefiehen des Judentums.« Iß das wirklich der Inhalt des Judentums? Vielleicht hat der Verfaffer recht, vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht, und es zu wiffen, erfcheint mir belanglos. Es iß fo leicht zu fagen, dies fei der »rote Faden« durch die Gefchichte eines Volkes <Verzeihung: Stammes). In der Gefchichte jedes Volkes gibt es faß fo viel rote Fäden wie Lefer. Sie herauszufinden, iß Sache des Gefchichtsphilofophen, und fein Ergebnis legt meiß mehr Zeugnis ab von ihm felbß als von feinem