Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1919-06-01 · Heft 2 (Juni 1919) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 2 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2827066-2827074-2827076--0488-2827591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

74 KROJANKER, MENSCHHEITSBEGLÜCKUNGSWAHN aber in ihrem Wefen fich von der unterIcheiden muß, die uns in fpäteren Jahren befeelen wird. Die heutige Stimmung ift die des Auf* bruchs, des Unterwegs. Und wer mit aller Spannung feiner Seele des Signals harrt, das die Tore öffnen folle, hat nicht viel Auge für das, was auf der Straße um ihn herum gefchieht. Diefer Gemütszu* ftand kanji feiner Natur nadi kein dauernder fein. Es muß, ob früher oder fpäter, eine gewiffe Konsolidierung und Beruhigung eintreten. Nicht in dem Sinne, daß wir aufhören, unfere Menfchen nach Palältina zu entfenden, wohl aber in dem, daß die Hierbleibenden ein für alle Mal wiffen werden, daß fie hier bleiben. Und daß heißt: es wird ein fetter Stamm von Zioniften entliehen, der bei allem Streben, mit dem geißigen Palältina mitzuleben, mit hellerem und intereffierterem Blick und gleichzeitig — das ilt das Wefentlidifte —' mit einem ftärkeren Bewußtfein von feiner Zugehörigkeit auf die Dinge der Diafpora fehen wird. Das wäre die Wandlung in unferm Lager. Und auf der Gegenfeite — es ift fdiwer, zu prophezeien. Aber ich kann es mir nicht anders denken, als daß auch dort all die Elemente, die fich nicht nur unter dem Druck des Antifemitismus, fondern aus dem Gefühl inner* licher Verbundenheit Juden nennen, an dem doch nun,einmal fich ent* wickelnden Leben in Paläftina inneren Anteil nehmen werden, während die Halben und Lauen endgiltig vorziehen dürften, uns zu verlaflen. Und zwifchen diefen beiden Gruppen kann dann hödißens noch ein Unterfchied in der Intenfität ihres innerlichen Miterlebens befiehen. Vielleicht iß das zu optimifiifch. Aber die Tendenz Icheint mir unter der Vorausfetzung des verwirklichten Zionismus richtig gezeichnet. Und deshalb iß heute jede Auseinanderfetzung mit dem gegnerifihen Standpunkte mehr als ein vergnügliches Gefchäft, das um der Pro* paganda willen betrieben wird. Sie iß in Wahrheit Vorbereitung und Zukunftsarbeit. * Eine kurze Rekapitutation ßehe am Anfang. Ich hatte gemeint, dem K. C. vorwerfen zu dürfen, daß feine jüdilcne Idee lieh der Tat* fächlidikeit nach im Kampfe für die Gleichberechtigung erßhöpfe/ für jene Gleichberechtigung, die immer nur Etappe auf dem Wege zu in einem amtlich beftallten Vertreter treffen konnte. Diefe Einwände felbft mögen hinfällig fein/ aber wenn fie treffen, treffen fie im Redakteur den Rabbiner. Die fonderbare Doppelfunktion aber, die Herr Dr. Goldmann fich konftruiert. hat und von der jeweils immer nur eine in die Erlcheinung tritt, während die andere folange als privat referviert bleibt, erfcheint als merkwürdiges Naturfpiel. Zur eigentlichen Auseinanderfetzung mit mir ergreifen zwei Herren das Wort, die fich ihre Aufgabe derart geteilt haben, daß der eine die Form, der andere den Inhalt meines Auffatzes vernichtet. Wenigftens der Überfchrift nach. In Wahrheit fpricht der Formzertrummerer, fchlicht und redfelig, über alles, was ihm gerade einfällt, lind nachdem er mir verfichert hat daß man fich mit mir fachlich nicht auseinander« fetzen könne, laßt er fich von feinem Gefinnungsgenoflen, der nach ihm zum Wort kommt beweifen, daß man das fehr gut kann. Herr Dr. Erwin Seligmann nämlich hat es unternommen, meine Einwände in Ausführungen zu widerlegen, deren Sach* lidkkdt und Ernßhaftigkeit eine lieber erfprießliche Diskulfion ermögliche«. Sein Auf* fatz iß meinem vorftehenden Artikel zugrunde gelegt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.