Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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VOM MENSCHHEITSBEGLÜCKUNGSWAHN EINE AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM K. C*J Mir Icheint, daß heute der Auseinanderfetzung mit dem jüdifdien Liberalismus bei uns zu wenig Gewicht beigelegt wird. Das mag eine Reaktion auf unfere Anfangszeit fein, die vorwiegend mit diefer Auseinandersetzung befaßt war. Und To wiegt man ßdi heute in dem lieberen Glauben, daß alles Wefentliche bereits gefagt fei und daß nur politifib^taktilcfae Erwägungen Veranlaffung fein könnten, das taufendmal Gefagte in mehr oder weniger neuer und anfprechender Form zu wiederholen. Zumal die Vertiefiings* bolde, die ganz mit der Verfenkung in die Fragwürdigkeiten der eigenen Seelenverfaffung befdiäftigt find, halten den Kampf gegen den Liberalismus für ein »vergnügliches«, aber unfruchtbares Geßhäft. In Wahrheit liegen die Dinge anders. Es ilt hier nicht der Rahmen gegeben, auf die engen Zufammenhänge einzugehen, die — wenigßens theoretilch und der Idee nach — zwiiehen dem Liberalismus und dem rein geiftig fundierten Nationalismus beßehen. Sie erfordern ein befonderes, für uns fehr wichtiges Kapitel, was nicht hindert, daß auch fthon in dem über den Liberalismus in feinen Grundzügen an* gedeutet wird, was dort ausführlich zu erörtern bleibt. In diefen Rahmen i(t von Bedeutung, daß zwar die Kluft zwifchen uns und den Liberalen heute unüberbrückbar fiheint, daß das aber nicht immer fo bleiben muß. Ja, mir fiheint die Zeit nicht allzufern, in der eine Verßändigung möglich werden kann. Und dies auf Grund einer durch die Tatfachen herbeigeführten Wandlung in beiden Lagern. Bei uns herrlcht heute eine Paläßinafiimmung, die nicht in ihrer Stärke, wohl ♦> Gegen meinen Auffatz »K. C.-Geift« <J. W. 1 4/5> haben die K. C.-er gleich drei Kämpen in die Arena gefihidt. Zuerft befihwert lieh der Redakteur der K. C.-Blätter, Herr Dr. Goldmann, über perfönliche Übergriffe, über unbefugtes Hineinziehen privater Angelegenheiten in eine fachliche Debatte. Er tut das in einem noblen und etwas hochtrabenden Tone, fo daß der Außenftehende meinen Auffatz wirklich für einen üblen Auswuchs journa* lilHfcher Polemik halten muß. Was habe ich verbrochen? Ich habe an zwei Stellen auf die Tatfache Bezug genommen, daß der Redakteur der K, C.-Blätter von Beruf Rabbiner id. Aber feit wann ilt es Privatangelegenheit, wenn der Redakteur der von einem jüdiloWeligiöfen Verband herausgegebenen Zeitfchrift gleichzeitig beamteter Vertreter des Judentums iß? Offenbar ifi: der Geiß, in dem er lein Amt führt, und der, ia dem er diefe Zeitfchrift redigiert, der gleiche. Und da es in meinem Auffatz nicht um die an fi<fi belanglofe Zeitfchrift, fondern um den Geilt der liberalen Judenhett ging, für den der K. C. und feine Blätter, die mir ein Anlaß waren, nur eioe Äußerungsform lind, mußte ich es allerdings für eine fchöne Fügung halten, wenn ich mit meinen Einwänden gegen die K. C.-BIätter gleichzeitig die ganze Richtung