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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 73

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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EINZELHEITEN 71 bildungs« und Fachfchulen in erfreulichem Maße einzuführen oder wieder neu einzurichten. Die arabifchen Dorffchulen wurden nach modernen Prinzipien er* neuert, viele Hunderte von Ortfchaften, wo gar keine Lehranftalten exiftierten, mit folchen bedacht, die Methoden modernifiert und der Unterricht für alle Kinder im Schulalter für obligatorilch erklärt. Dadurch iß gewiflermaßen über Nacht die hauptfächlichlte Grundlage des normalen Fortfchrittes diefer bisher in grauenhafter Unkultur belaflenen Bevölkerung gelegt worden. Auch das eigentlich politilche Leben hat neue Blüten zu ichlagen begonnen« Sämtliche religiöfen und nationalen Gruppen des Landes wurden angehalten/ lieh ihren Wünlchen gemäß in den Grenzen des unter einer proviforilchen Militärverwaltung Zuläffigen, zu orga« nifieren, Wahl und Geletzfragen für ihre eigene Gerichtbarkeit wurde unter britifther Oberaufficht anerkannt und im übrigen die einzelnen Gemeinden aufgefordert, (ich ihrer Stärke entfprechend an der Verwaltung der zivilen Änge« legenheiten zu beteiligen. So Hellen z. B. die Landeseinwohner bereits die Gen« •darmerie, die unteren Verwaltungsbe« amten und die Steuereinzieher, nehmen an den Bauarbeiten teil und werden zu allen die Organifation des Landes be« treffenden Fragen in weitgehendem Maße zugezogen. Diefe Behandlung, verglichen mit der ewigen Menfchenverachtung und Selbßherrlchaft der türkilchen Beamten, die nur von oben herab zu den Ein« wohnern blickten und fie wie eine unterworfene Nation beheTrfchten, hat natürlich nicht verfehlt, auf die Bevöl« kerung den denkbar bellen Eindruck zu machen / fie wünlcht nichts fehnlicher, als daß Palältina innerhalb möglich!! ausge« dehnter Grenzen unter der weifen und wohlwollenden britishen Sachverwalter« fthaft verbleibe, denn fie iß überzeugt, daß fie auf diefe Weife am meiften alle politifchen, wirtschaftlichen und kulturellen Freiheiten genießen wird, die einem Lande irgend befenieden werden können. Jugendliteratur. Kürzlich Harb in Berlin im Alter von 60 Jahren ^&feriftfteH«r Hemrh6 Mfat Scfa» tmSer. Wenn an diefer Stelle feiner gedacht wird,« fo gefchieht es natürlich nicht wegen des »Lieben und Leben der Lady Hamilton« oder »Lord Nelsons letzter Liebe«. Sondern um feines zur Zeit der Zeritörung Icru« falems Spielenden, zweibändigen hilio« rifchen Romans »ßerenfee« willen. Man darf hier bei dem Begriffe »hiftorifther Roman« gewiß nicht gleich an Flaubert und Conrad FercÜnand Meyer denken. Aber auf dem Niveau eines durchschnittlichen Werkes von Felix Dahn oder Ebert lieht das auf der Darftellung des Jofephus fußende, mit Wärme und Begeiferung für die Sache unferer Vorfahren gefchriebene Buch ficherlich! Bei dem voliftändigen Mangel an derartiger beHetriffifmer Lektüre für unfere reifere Jugend, aber auch für Erwachsene, kann man daher Schumachers »Berenice« garnicht ein« dringlich genug als Gefchenkwerk und zur Anfchaffung für jüdiCche Jugend« bibliotheken empfehlen. Und noch Eines fei hervorgehoben, was uns mehr denn eine kleinliche Aeußerlichkeit dünkt: Der Nichtjude Schumacher ent« hält fich, allen naheliegenden Versuchungen zum Trotz, jeglicher chrifti« anifierenden Tendenz. Man beachte demgegenüber, was für einen Schluß der Judenftämmling Ebers feinem die Auswanderung aus Aegypten behandelnden Roman »Josua« angehängt hat! Öder wie noch in jüngften Tagen der Wiener Jude Stefan Zweig feine wuchtige und groß angelegte Dichtung »Jeremias« am Ende in einer geradezu an den Haaren herbeigezogenen Weife zu verchrifteln für nötig hält! (Von der unbedingt nötigen Zuneigung des Buches an irgend eine adlige Dame fei hier nur nebenbei die Rede. Diefe kleine Koketterie ift bei einem mofaifchen Deutfchen ja felbftverftändlich.) Bei diefer Gelegenheit fei noch an Ludwig Pßifippfons mannigfache geschichtliche Romane, Erzählungen und Märchen aus der jüdifeben Vergangen« heit erinnert, die fo gut wie verfchollen find. Warum findet (ich kein Verlag, der fie fichtet und neu herausgibt und uns fo mit einem Schlage eine Reihe jüdifcher Jugendbücher befcheert? Ein neuer Berliner Judenroman*J Viel Gutes ift auf dem Gebiete wirklich nicht geleiftet worden: Georg Herr-» mann «hat vink #lü^ •> Z. AudnaC Der Holzweg. Ein Berliner Roman. Erich Reiß Verlag, Berlin. Preis: geheftet M. 6, gebunden M. 8.-

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