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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 71

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 71)
Language
German
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EINZELHEITEN 69 EINZELHEITEN Pafäfiina unter ßritif&er Verwaftung. (Aus der »Neuen Züricher Zeitung«.) Am 9. Dezember 1917 befetzten die fcriri fdien Truppen Jerufalem, kurz darauf den Red des oandfehaks Jerufalem und Ende Januar 1918 wurde die gemifchte britififie Militär* und Zivil« •Verwaltung in Paläftina eingeführt. Seither hat diefe Behörde, im Verein mit den wenigen im Lande noch ver» bliebenen Zivilkorporationen und mit den gesetzlichen Vertretern der Bevölke» rung, das befetzte Gebiet verwaltet. Ende September 1918 kamen die übrigen Teile Paläftinas und fpäter ganz Syrien hinzu und die von den britifchen Or» ganen verwaltete Landfläche vergrößerte fich immer mehr. Heute liegen die offiziellen Berichte über die Refultate des erften Jahres unter dem neuen Regime in Paläftina vor,- an Hand diefer Berichte wollen wir im folgenden einen Ueberblick über die gegenwärtige Lage in Paläftina geben. Das Gebiet, das gegenwärtig» unter rein britifcher Verwaltung fteht, umfaft alle Landesteile innerhalb der ägyptifchen Grenze, der Mittelmeerküfte und einer Linie, die 12 Meilen' oberhalb Akko am Meere beginnt, etwas nördlich des Hulesees nach Süden umbiegt und dann in Oftjordanien dicht öftlich des Flufles bis gegen das Untere Ende des Toten Meeres verläuft. In diefen Grenzen umfaßt das britifche Okkupationsgebiet in Paläftina etwa 8700 Quadratmeilen, wovon nur knapp 1000 lieh unter Bebauung befinden. Die in diefen Grenzen lebende Bevölkerung wird auf 639,000 Einwohner gefchätzt, wovon 61,000 Chriften, 66,000 Juden und der Reit Mohamedaner find. Der nord» weftiiehe Zipfel von Galiläa wird augenblicklich von einem franzöfifchen Kommiuar verwaltet, während der Reft von Oftjordanien proviforifch dem König von Hedfchas anvertraut wurde. Beide Teile, die noch heute nicht unter britifcher Verwaltung ftehen, gehören bekanntlich zum hiftorifchen Paläftina und follen durch den Völkerbund, entfprechend den Zufidierungen Großbritanniens und letzt« hin auchWilfons, dem neu zu gründenden jüdifchen Gemeinwefen in Paläftina ein» verleibt werden. Auf dem vorhin umschriebenen, von »der britifchen Behörde verwalteten Teil Paläftinas find, laut den offiziellen Angaben des Berichtes und den letzten, aus Paläftina eintreffenden Nachrichten, große und erfreuliche Fortichritte in Bezug auf Ordnung, Sicherheit, Verkehr und wirtfehaftlichem Wiederaufbau erreicht worden. Das Generalgouverne» ment hat den Sitz in Jerufalem und zerfällt neben der Militär» und Polizeimacht, in eine Landwirtfthafts», Steuer», Munizipal» und eine Wakufbehörde, letz* tere eine Fortfetzung der früheren gleich» namigen Einrichtung, die die Verwaltung der Heiligen Orte, Stiftungen, ufw. verlieht. Daneben -funktioniert eine Erziehungs», Gefängnis» und Gerichts* behörde fowie entfprechende Handels» und Verkehrskommandanturen. Die Tätigkeit diefer Behörden läßt fich kurz dahin fkizzieren, daß fie im Verlauf der kurzen Zeit feit der Befetzung erftaünlich viel für die Beruhigung und Wieder» aufrichtung des Landes erreicht haben. Das von den Türken bis ins Mark ausgesogene und in den letzten Jahren durdi den Krieg ftark mitgenommene Land ist landwirtfehaftlich in einigen Monaten auf eine erftaunliche Höhe gebracht und die Bevölkerung brachte es fertig, für denfelben Teil, der bis September 1918 unter britifcher Ver» waltung war, eine Steuerfumme von über 17 Millionen Franken abzuliefern, wobei die Fälle von Zahlungsunfähigkeit infolge von Kriegsnot ufw. reichlich anerkannt wurden. Erwähnt fei auch, daß diefe Summe das doppelte von dem ausmacht, was die türkifche Behörde in Friedenszeiten und bei Anwendung eines viel höheren Satzes aus demfelben Gebiet herauspreffen konnte, weil die Steuerbeträge unter der türkischen Ver» waltung nur zum geringen Teil direkt in die Staatskaffe Hoffen. Ausgegeben wurden für die Verwaltung des be* treffenden Gebiets etwa 19 Millionen, fo daß für den Augenblick ein Defizit von zwei Millionen zu verzeichnen ift. Die Steuer» und Zolleinnahmen wurden nach neuen Methoden auferlegt und ein» gezogen. Es wurden in Gaza, Berfeba, Ludd,Jerufalem,JafFa,HaifaundTulkerem Zollftationen errichtet, die für die Abferti» gung der aus Aegypten ziemlich reichlich importierten Waren zuftändig find. Zu gleicher Zeit hat die Aufforftung desLan» des begonnen und um Jerufalem und auf

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