Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2827066-2827074-2827075--0477-2827579- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN DIE JÜDISCHE SPORTBEWEGUNG Durch die Gründung des Sportvereins Jüdicher Studenten ift die jüdifche Sportbewegung einen bedeutenden Schritt weitergekommen. Es beliehen zwar fchon feit einiger Zeit jüdifihe Sportvereine oder Unterabteifungen für Sport in den jüdifchen Turnvereinen. Die produktive Arbeit war aber bisher, von einzelnen Aus* nahmen abgefehen, gering. Die Einwirkung des Krieges, die natürlich jeden Fortichritt: hemmte, trägt hierbei nicht die Hauptfchuld. Denn der Sportklub »Hakoah« in Wien und der Ruderklub »Ivria« in Berlin zeigen uns, daß auch in den letzten Jahren die Möglichkeit einer guten Entwicklung beftand. Der »Hakoah« iß es ge« hungen, lieh trotz des Krieges auf der Höhe zu halten und ihre Stellung als einer der führenden Leichtathletik-Vereine zu behaupten. Ebenfo kann die »Ivria« von fich fagen, daß fie allen Hinderniflen des Krieges zum Trotz in ihrer Ent* Wicklung die bellen Fortfehritte gemacht hat. Diefe beiden Beifpiele beweifen,. daß der Jude, der überhaupt Neigung zum Sport hat/ in den jüdifchen Sportverein geht, fobald er lieht, daß hier auch auf fportlichem Gebiet das zu finden ift, was in einem tüchtigen Sportverein geleißet werden muß. Eine Statiftik der Juden und ihrer Leitungen in den vermiedenen Sportvereinen Berlins würde z. B. ergeben, daß ein jüdifcher Sportverein, der diefe Kräfte umfaßt, leicht den fportlkh feiftungsfähigften Vereinen die ßärkfte Konkurrenz machen könnte. Der Hauptgrund für das Verfagen der Turnerichaft lag vielmehr in der Indifferenz der übrigen zioniftifthen Jugendorganisationen, insbesondere des K. J. V. Verfuche einzelner, in der Turn« und Sportbewegung zu arbeiten, konnten infolge deflen auch keinen Erfolg bringen. Jetzt endlich hat man eingefehen, welche Not* wendigkeit diefe Arbeit befitzt. Es ift natürlich felbftverftandlich, daß der neugegründete Sport*V.J.St. zuerfc danach zu trachten hatte, fich gut zu fundieren, und feine Arbeit nach außen erft beginnen konnte, fobald er innerlich felbft genug befeßigt ift. Ober feine fportüche Arbeit fei folgendes bemerkt. Auf dem HochfchuU Sportplatz im Grunewald wird fleißig trainiert. Syftematifch werden unfere Aktiven in die Technik der einzelnen Zweige eingeweiht. Ihr Interefle und ihr Eifer find fehr groß. Neben der Leicht^Athletik werden Sportfpiele geübt, auf die ihres gemeintchafts« bildenden Sinnes wegen befonderer Wert gelegt wird. Es beßeht die Abficht, eine Tennis^Abteilung einzurichten. Ueberhaupt wird jede Sportart, für die Interefle vorhanden ift, zur Geltung kommen. Der Einfluß auf das übrige Kartell zeigt fich bereits. Für Juli oder Auguft ift ein großes Sportfeft des K. J. V</r. veranftaltet vom Sport «V. J. St, in Ausficht genommen. Die Kraft der Idee des Sportes zeigt fich neuerdings auch im — Zentral* verein. Der Zentralverein will in fein Programm die Pflege von Turnen und Sport aufnehmen. Deutfche Staatsbürger wollen fich in einem jüdifchen Sportverein abfondern, ohne fich zur jüdifchen Nation zu rechnen! Sport ift national, Sport ift Gefinnung! Hat man etwa von uns gelernt? Nein, etwas anders liegt es doch. Der Zentralverein braucht eine Waffe gegen den Zionismus. Der Sport erfiheint ihm als Lockmittel gerade recht Sport iß Gefinnung! Sport ift kein Köder! BERLIN ERNST SIMON II