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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 62

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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60 AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN Gemeinfdiaft konzipiert hatte, die alte Form als ftarr und ihrem unbedingt paläßinenfifih gerichteten Zionismus hinderlich. Wenn man -die Stimmungen in Schlagworten verdeutlichen wollte, könnte man fagen: die einen argwöhnten geiftigen Bolfchewismus, die anderen reaktionäre Gefinnung. Es iß pfychologifch begreiflich, daß bei diefer offenbar auf Unkenntnis der gegenfeitigen Anfchauung beruhenden Stimmung beide Teile ihre Aufraflungen in extremßer Form zum Ausdruck brachten und dadurch die trennenden Momente weit ftärker erlchienen als fie es in Wirklichkeit waren. Wenn hier in knappen ilmriffen die Anlchauung der Jungen fkizziert werden foll, fo fei be* tont, daß felbfiverßändlich ßarke Nuancen in der Auffaffung befianden. Die jugendliche Richtung wollte das Erziehungsprinzip nur infoweit anerkennen, als Menfihen von gleicher Grundßimmung durch gemein* fames Leben und Lernen fich gegenfeitig entwickelten und bereicherten. Rangunterlchiede, wie fie die Begriffe »Fux«, »Burfch«, »Alter Herr« wiedergeben, wollten fie nicht dulden, da fie jegliche Abßufung als femeinichaftsfchädlich betrachteten. Disziplin wollten fie durch das Wnzip der Freiwilligkeit erfetzt wiffen. Der Kartellgedanke, das Gefühl der Verbundenheit mit allen Bundesbrüdern, hatte für fie etwas durchaus Untergeordnetes, Mechanilches an fich, das Kartell erßhien ihnen vorwiegend als organifatorißher Zufammenfthluß,- am Herzen lag ihnen ausfihließlich ihr enger Kreis, ihre stimmungsmäßige Gemeinfihaft. Werbearbeit an fernßehenden Menlchen erfihien ihnen als gemeinfchaftsßörend und auch nicht erforderlich, da fie ihren Nachwuchs aus innerlich ihnen bereits naheßehenden, zionißifth taktfeßen Menfchen zu erhalten glaubten. Diefe Anlchauungen wurden nicht nur von den konfervativen Elementen bekämpft, deren Mentalität in der Tat vielfach eine andere Orientierung aufweifi, fondern wohl zur Ueberrafchung für viele mit vielleicht noch größerer Leidenlchaft von führenden Bundesbrüdern, die fich durch ihre Fähigkeit, fiets mit der jüngfien Jugend mitzufühlen, auszeichnen und in ihrer Grundanfchauung von den Neuerern als völlig homogen empfunden werden. Ihnen, vor allem Blumenfeld, gelang es, die zentrifugalen Tendenzen auf der Linken und auch auf der Rechten umzußimmen und die Notwendigkeit der Einheit des Kartells darzulegen. Denn auch ein Teil der konfervativ gefinnten Bundesbrüder hatte nicht mehr den Glauben, daß es bei den in fo gründe fätzlichen Dingen abweichenden Meinungen möglich fein könne, eine wirklich gefchloffene Gemeinfdiaft zu konßituieren. Von diefer Seite entßand der Vorfchlag, daß all die Gruppen, die innerhalb des Kartells den gleichen Erziehungsmethoden huldigten, fich zu Ringen zufammenfchließen und ein Eigenleben führen follten und eine ge^ meinfame Leitung nur eine Art organifatorifchen Ueberbau zu bilden hätte, der vornehmlich die Aufgabe zufiele, gemeinfame Aktionen durchzuführen und Konkurrenzkämpfe zu verhindern. Durch diefe reinliche Scheidung wollten die Befürworter diefer Löfung erreichen, daß Reibungen vermieden würden, die ihrer Anficht nach nur ßörend auf das Leben der Verbände wirken konnten. Gegen rechts und ilinks wurde die alte K, J. V. Jdee verfochten und etwa folgende

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