Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
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AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN 59 Saufideal jemals in unferem Kreife feine Orgien hat feiern können.. Jeder, der uns auch nur etwas kannte,- weiß dies. Wir hatten manche Formen übernommen, weil wir es als unzweckmäßig anfahen, una außerhalb der deutlchen Studentenfchaft zu ftellen, und wir maßenmancher davon fogar einen Erziehungswert bei. Insbefondere glaubten wir, durch die Statuierung der Satisfaction mit der Waffe einerfeits den braudibarßen Weg gefunden zu haben, antifemitilchen Ausbreitungen in einer der deutlchen Studentenfchaft verßändlichen Sprache zu begegnen, andererfeits ein Mittel, in unferen Bundes* brüdern das Gefühl für perfönliche Würde und nationale Ehre zu erwecken und fie zu mutigen, aufrechten Menfchen zu erziehen, Aber wir waren ßets Herren diefer Formen, wir meifterten fie nach« unferem zionißifdien Willen, der allein unlerem Denken und Handelm die Richtig verlieh. Wir haben jederzeit gefühlt, daß all dies keinen Dauer wert für uns haben könne, und die wahrhafte korporative Form unferes Bundes, das Bewußtfein enger Verbundenheit und gemeinsamer Verantwortung als Glieder einer kämpfenden Gemeinfihaft blieb von all dem unberührt. Jetzt glaubten wir den Augenblick gekommen, mit all dem Plunder vergangener Zeiten zu brechen, und es iß das fchonße Zeichen für die ge~ meinfame Stimmung, daß diefe Fragen nicht lange und grundfätzliche Debatten beanfpruchten, fondern innerhalb weniger Minuten ihre Erledigung fanden. Die Aufrechterhaltung der unbedingten Satisfaction erfchien heute faß allen Delegierten ein Nonfens, da fie mit den jüdifchen und kulturellen Empfindungen vieler unter uns, befonders oßjüdifdier Bundesbrüder, nicht in Einklang zu bringen war, nicht zum wenigßen jedoch deshalb, weil eine folche Fülle jüdifcher Aufgaben unfer wartet, daß wir unfere Zeit nicht mit Fechten, ßudentifdien Ehrengerichten und fonfiigem hierzu erforderlichen Beiwerk belafien dürfen. Es fei nebenbei bemerkt, daß wir audi die Abfchaffung des fiudentilchen Wichfes belchloffen haben, derdem Stilgefühl vieler unter uns ßets Opfer auferlegte. War in der Frage der paläfiinenfifchen Erziehung und der korporativen Formen durchaus eine Einheitlichkeit der Grundauffalfung und der Stimmung zu konfiatieren — wenn die Belchlülfe betreffend die Satisfaction nicht einßimmig gefaßt wurden, fo waren bei den DilTentierenden auslchließlich Gefichtspunkte der Zweckmäßige keit maßgebend — ,fo ergab fich bei der Befprechung der allgemeinen Erziehungsfragen, daß die Anlchauungen recht weit auseinandergingen. Es iß zweifellos, daß durch die Zäsur, die die Kriegsjahre in der kontinuierlichen Entwicklung unferes Kartells bedeuteten, durch die Tatfache, daß ein lebendiger geifiiger Zufammenhang zwilchen den Generationen nicht beßehen konnte, von vornherein ein gewifles Mißtrauen in die gegenfeitige AuffalTung von zionifiifcher Erziehung beßand. Man fah auf der einen Seite das bewährte Erziehungsideal des K. J. V., das etwa als reine korporative Idee zu bezeichnen wäre, durch neue iildividuaiißifche, zentrifugale Tendenzen gefährdet. Auf der anderen Seite fthien einem großen Teile der Kriegsjugend, die naturgemäß, von Traditionen unbefchwert, ein neues Bild von