Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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58 AÜ5 DEN JUGENDORGANISATIONEN Beratungen zu einem erheblichen Teil fidi um Fragen drehten, die ohne genaue Kenntnis unferes inneren Kartelllebens, der vorher „geführten internen Debatten, von Außenfiehenden in ihrer Tragweite nicht fo ganz erfaßt werden können. Die Jahre, die hinter uns liegen, waren Zeiten ungeahnter zioniftifiher Entwicklung. Was unferen Gegnern früher als Emanation phantaftifcher Hirne ericheinen konnte, was wir felblt erft für die ferne Zukunft fpäterer Gelchlechter zu erhoffen wagten, iß heute Wirklichkeit geworden : unfer altes, durch Tradition und Sehnfucht geheiligtes Land wird unfer, das hohe Glück, den Neuaufbau Paläßinas mitzuerleben, wird unferer Generation zuteil. Es iß über* rflüffig, hervorzuheb^p, daß der Kartelltag unter dem Eindruck der neuen zioniftilchen Entwicklung ßand. In einer längeren Ausfprache, die auf ein eingehendes, fadilich fundiertes Referat folgte, erörterten wir die Möglichkeiten unferer eigenen Ueberfiedlung, Mit Begeißerung wurde die unter unferer jüngfien Jugend herrfthende Tendenz begrüßt, die Landwirtlchaft zu erlernen und fomit den für Paläfiina notwendigßen Beruf zu ergreifen. Aber auch die Möglichkeiten akademifther Berufe wurden erörtert .und manche Vorfchläge einer Berufsfpezialifierung nach Maßgabe der Landesbedürfniffe gemacht. Die Ausfprache bot viele Anregungen, wenn fie auch den meifien nichts erheblich Neues bringen konnte. Jeder von uns, der an die Verknüpfung feines Lebens mit Paläfiina denkt, hat in kleineren und größeren Kreifen die Möglichkeiten durch* gefprochen, foweit wir heute überhaupt in der Lage find, die zu* künftige Entwicklung des Landes im Geifie vorauszufthauen. Es -ericheint durchaus möglich und nicht einmal unwahrlcheinlich, daß die Nachfrage des jüdilchen Paläfiina nach den verlchiedenften akademilchen ^Berufen weit größer fein wird als wir denken. Vorbedingung wird .aber auf jeden Fall fein, daß der Ueberfiedelnde über gute Fach* und Sprachkenntnifle verfügt und daß er die jüdilchen und menfch* Richen Qualitäten aufweift, die ihn zum Bürger Paläftinas befähigen. Trotzdem es alfo verfehlt wäre, manche akademilchen Berufe von vornherein als zionifiilch ausfichtslos zu bezeichnen, iß doch unbedingt zu betonen, daß unter unferer nach Paiäßina firebenden Jugend der Wiile zur Berufsumfchichtung lebendig bleiben muß. Diefer Tendenz gab der Kartelltag klaren Ausdruck, indem er die fchon während des Krieges im Kartellpräfidium gefchaffene Berufsberatungsfiellung lebhaft begrüßte und die Ausgefialtung des PaläfiinarelTorts belchloß, Angefichts diefer neuen elementaren Paläfiinafiimmung, die heute unfer Kartell befeelt, angefichts ferner der Tatfache, daß durch die KriegserlebnilTe, durch die Berührung mit dem öfilichen Judentum die Sehnfucht in uns erwachte, vom formalen Bekenntnis zum Nationalismus zur materiellen Fundierung unferes Judentums ^u gelangen, iß es verfiändlich, daß der Kartelltag lieh für eine radikale Wandlung . unferer korporativen Formen ausfprach. Wir haben niemals an den von der deutlchen Studentenfchaft entlehnten Formen gehangen. Es ifi nicht wahr, daß diefe als immanente Eigentümlichkeiten unferer Gemeinfchaft anzufprechen waren und daß das deutlche Waffen* und