Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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44 KAISER, CHAMBERLAIN jenem Opfer fich bereit erklärte?« Bei einem Juden wäre das niedriger Aberglaube an einen blutrünßigen, Gefchäfte fdiließenden Stammesgott, hier aber fpüren wir nur die hehre Hand einer gött* liehen Kraft, die den englifchen Knaben dazu auserwähft hat, der* einß »wie kein Anderer der Welt die Größe und Herrlichkeit deutfehen Wefens zu künden«, die »dem deutfehen Volk in diefem Manne einen feiner größten überragenden geißigen Führer gefchenkt hat.« 1899 erfefaeinen die »Grundlagen des 19. Jahrhunderts«. Der Erfolg iß überwältigend groß. Audi Kaifer Wilhelm IL iß »ganz hitigeriflen.« <Dafür hat aber auch Chamberlain »das Große in Wilhelm IL, dem erfien Deutfehen Kaifer <!), erkannt.«) Ein fchlichter pfälzifcher Fabrikant fpendet die berühmt gewordenen 15000 M. zur Verbreitung des Buches in Sdiulen und Volks* bibliotheken. — Die folgenden Werke find natürlich ebenfo groß. Sein »Immanuel Kant?« »Wer in dem Verfaffer diefes Buches den tiefen, geißvollen Denker nicht erkennt und bewundert, der weiß wohl felbß kaum, was denken heißt.« Sein »Goethe?« »Das geäßvollße Buch, das über den großen deutfehen Dichter bisher über* haupt erschienen iß.« Nicht ohne Intereffe iß es, daß der tiefe germanifch~arifch~indifche Denker »dem nüchternen Buddhismus gegenüber eine ausgefprochene Abneigung« hat. »Er hat darum auch die Anfuhrung buddhißifcher Quellenwerke aus dem biblio* graphifchen Anhange zu feiner »Arifchen Weltanfchauung« gründe fätzlich ausgefchfoflen.« Es iß zwar auch arifch~indifch, aber die ganze Richtung paßt ihm nicht! Nicht minder hinreißend als die früheren Werke wirkt feine Kriegsliteratur. Sie trägt ihm bereits im Frühjahr 1915, noch während er feindlicher Ausländer iß, das Eiferne Kreuz ein. Die Anwürfe, die er ftch hier gegen die Juden leißet, kann man nach Lage der Sache kaum anders denn als frech bezeichnen. Obwohl insbefondere der Hieb gegen den Haßgefangdichter Ernß Liflauer diefem zu gönnen iß. Erß im Auguß 1916 entlchließt er (ich, deutfeher Staatsbürger zu werden. <Daß die fo fpäte NaturaHfation außerhalb feines Willens liegende Gründe hatte, iß Ichwerlich an* zunehmen.) »Nun iß er ganz Einer der Unfern geworden! Wir aber find ßolz und glücklich, daß er es iß.« Jetzt ßellt er feß, daß die deutfihe Freiheit es iß, »die allein wirklich Freiheit genannt zu werden verdient und die Achtung der Freiheit des Andern in fich fihließt«, und, ßellt die vielgepriefene innere Freiheit des demokratilchen Auslands, insbefondere Englands, »in ihrer ganzen nackten Brutalität« an den Pranger. Auch wenn wir ihn nicht gleich als Renegaten und Vaterlandsverräter anfehen wollen, fo fei doch die Frage erlaubt, ob nicht eine Art männlicher KeuGhheit und Scham ihm, gerade wenn er wahrhaft englandsfeindlich empfand, in der damaligen Zeit hätte Schweigen gebieten müffen. Wenn er wirklich jemals imfiande wäre, in männlicher, menfehlicher Art, wie fie vielen Juden zu eigen iß, fich einmal zuinnerfi zu prüfen, dann mag £r uns ehrlich fagen, welche SchlülTe er aus