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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 47

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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KAISER. CHAMBERLAIN 45 einem ähnlichen Verhalten eines luden gegenüber dem jüdifchen Stamme ziehen, wie er folches charakterifieren würde. Sdiadet nichts. Da es (ich um ihn handelt, »lieft eine herbe Tragik in dem Gefchick des Mannes, des (eidenichaftlidi kämpfenden und doch fo zart befaiteten, fo fein empfindenden Mannes, wenn nächfte liebe Verwandte ob foldier Stellungnahme für immer (ich feindlich von ihm abwenden . . . Es ift die Tragik, die ein weltgeßhiditlicher Held auf (ich nehmen muß, der das Alte in den Staub wirft und neue Bahnen bricht.« Er iß der große Vorkämpfer für »veredelte, heldilche Lebensauffaflung« und »arbeitet durch Deutichlands Er* neuerung an der Erneuerung der Weftkuttur«, ja, »wie fremd und feltfam dies auch manchem noch heute ericheinen mag«, er hat Deutfchland auch dem großen Ziele der Erneuerung der Religion <»unferer Religion«, fagt v. Schroeder) näher gebracht. Er ift der »Profet des Deutfthtums«, felbß »wie durch ein Wunder Gottes« zum Deutlchen geworden. Er zeigt den Deutlchen, »daß fie als Streiter Gottes diefe Sache gemeint iß der Weltkrieg —> zum Siege führen müden, zum Siege über die Mächte des Mammons und der Lüge, über alle Niedertracht der Welt.« Dem neurafihenifihen, männliche Wucht markierenden Super* lativismus des Urteils und Ausdrucks, den man doch wohl gern der letzten Jahrzehnte, iß Chamberlain felbß allezeit ein guter Vorkämpfer gewefen. Luther iß ihm der größte Befreier, von dem überhaupt die Weltgelchichte zu melden weiß ~- »Bismark von allen Deutfchen der deutlcheße, der überall das einzig echt Deutlche deutlchen und allein deutlchen Dramas«. Sein Biograph kennt natura gemäß mit Bezug auf Chamberlain ebenfalls nur Superlative. Wie ja die gegenfeitigeAnhimmelung im ganzen Wagnerkreife nurnoch übertroffen wird durch die Selbfivergötterung der Einzelnen. Bei Juden wäre fo etwas Eitelkeit, Familienreklame und beßenfalls Neigung zu Perfonen^ kultus. Hier darf man es wohl getrofi deutfcharilches Selbfibewußfein, Pietät, und Ehrfurcht im Goetheßhen Sinne nennen. Noch \or nicht fehr langer Zeit machte Chamberlain in der Oeffentlichkeit viel von (ich reden durch feine Affäre mit Lujo Brentano, der ihm für feine »wiffenfihaftliche« Entdeckung »fyrilchen« Blutes in der Familie Brentano und die daraus alsbald gefolgerte Schändlichkeit diefer Familie für die deutlche Literatur ein Kräftiges über die Mütze gab. Hernach durch feine maßlofen gegen die »Frankfurter Zeitung« erhobenen Verdächtigungen, die er natürlich vor Gericht nicht aufrecht erhalten konnte. Seit dem für Deutfihland. fo unglücklichem Ausgange des Krieges iß er fiill geworden. Doch find wir nicht fo naiv, zu glauben, daß daraus auf eine innere Wandlung und Läuterung feiner Anflehten zu (cfiließen iß. Sicherlich erfcheinen ihm jetzt Zufammenbruch und Revolution auslchließlich als eine internationale Machenlchaß jüdißher Finfierlinge gegen. lichtreines Germanentum. vertrat« — Richard Wai der »Schöpfer des großen, eigentlich

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