Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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42 KAISER, CHAMBERLAIN Lenbach porträtierte »große Germane« für ein Gefidht machen würde, wenn er einen beliebigen Jahrgang beifpielsweife der Monats* fchrift »Der Jude« zu lefen bekäme.) Man lieht: alles in allem eine würdige Fortfetzung und Steigerung der jüdifdien Wiflenlchaft Renans, Dührings und Richard Wagners. In nationakjüdilchen Kreifen hat man eine gewiffe Abneigung gegen die Belchäftigung mit Antifemitismus und Antifemiten. Das war früher einmal verßändlich und auch gut, als gefunde Reaktion gegen die unjüdilche Richtung, deren Judentum beftenfälls ausschließlich im Abwehren antifemitilcher Angriffe beßand und die leider jahrzehntelang diejenigen jüdilchen Kreife Deutfchlands beherrlcht hat, die lieh überhaupt noch jüdilch fühlten und betätigen wollten. Heute iß folche Zurückhaltung nicht mehr am Platze. Und fie wird um fo bedauerlicher, als die ßammestreuen und ihres jüdifdien Blutes frohen Juden eigentlich an erßer Stelle, vielleicht fogar allein berufen find, Judenfeinden und Judenfeindfchaft in der Arena der Geißer und mehr noch im täglichen Leben wirkfam entgegenzutreten! Es mögen alfo unfere Jüngeren und Jüngfien ruhig einmal, wenn fich Zeit und Gelegenheit bieten, zu Chamberlains, wohl des fchärffien und immerhin intereflanteßen gegenwärtig lebenden Judenfeindes, Schriften greifen. Die Sache iß um fo weniger anfirengend, als Chamberlain wahrlich nicht zu denen gehört, deren Gedanken mühfam mit dem Worte ringen, fondern einen blendend flüffigen, viel zu flüffigen Stil befitzt. Es kommen da vor allem in Betracht »Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts«, das Lieblingsbuch Kaifer Wilhelms IL, das er mit Vorliebe zu Gefchenkzwecken benutzte, ferner »Arifche Weltanlchauung«, »Politifche Ideale«, »Demokratie und Freiheit« die letzten beiden Bücher fchon während des Krieges erfchienen — fchließlich »Kriegsauffätze«, »Neue Kriegs^ auffätze«, »Ideal und Macht«, »Hammer und Ambos«. — Von modernen jüdifdien Schriftfiellern nichtaffimilatorifcher Richtung hat fich unferes Willens allein Zollfchan mit Chamberlain ausführlicher auseinandergefetzt, in feinem »RalTenproblem«, einem Werk, das ganz mit Unrecht nach dem Erfcheinen der 3. Auflage <1912> zu den Akten gelegt worden iß. Wer iß diefer Chamberlain, und wie iß fein Werdegang zu erklären? Darauf will uns die kürzlich — noch vor der Re* volution — erfchienenen Schrift des Profeflbrs Leopofd von Scbroeder®} Antwort geben. Houßon Stewart Chamberlain iß 1855 in Southfea bei Ports^ mouth in England geboren, als Sohn des fpäteren Admirals W. Ch. Chamberlain und feiner Ehefrau, geb. Hall. Er hat nicht £twa nur englifches, fondern vor allem mütterlicherfeits fchottifches, durch eine Großmutter väterlicherfeits auch keltifch*wallifches Blut in *) H. St. CßamBerfain. Ein Abriß feines Lebens, auf Grund eigener Mitteilungen herausgegeben von L. v. Scfiroeder, Dr. theo!, h, c. Mit 4 Bildniflen. J. JF. Lehmanns Vertag, München, 1918. M. 2.50.