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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 40

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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38 KWZJNSKl DIE LEHREN BLÜHERS Die Intellektuellen find die Induftriellen des Geiftes. Die fchöpferißfien Urmenfthen fpalten fich in zwei Formen, in den fakralen und in derr politifchen Typ. Der erße verlchmäht es/ feine Schöpfungen zu nützlichen Dingen 211 verwerten/ er ifi der reine Tempelbauer, Sein Leben iß Leid und Dulden. Der politifche Typus tritt aus dem Erlebnis des Ideellen heraus und wird Prophet. Er kündet der Welt, daß fie verbeflferungswürdig fei. Der brahmanifihe Menlch iß: die Erfiheinung des fakralen Typus, der Jude die des politifchen Typus. Der eine verherrlicht das Leid, der andere die Tat. Die meflianifche Idee ift eine politifche Idee erften Ranges, die dem reinen Denken entfpringt und der Verachtung bürgerlicher Tatfachengläubigkeit. Dem bürgerlichen Typus lind dann noch mehrere vernichtende Betrachtungen gewidmet. Der Bürger hat zum Ziel feines Lebens die Ruhe und den Genuß. Diefer paffive Teil der fozialen Ge~ meinfehaft wird von zwei Seiten her bedroht: dem Priefter und Tyrannen auf der einen, dem Empörer auf der anderen Seite. Unter Priefter verßeht Blüher jede Art von Vertreter einer kon^ fiituierten Religion, unter Tyrannis jede Form von Herrfchaft, die um ihrer felbß willen da iß. Mag diefe nun von einer Herrenraffe, von Geldmännern oder von anderen ausgeübt werden. Mit Empörer iß der unabhängige Denker gemeint, der die Kraft zur Entfcheidung hat. Zwifchen Prießer und Empörer iß das Leben des Bürgers eingekeilt. Beide bilden ihn, beiden fucht er gerecht zu werden. Aber er nivelliert die Gegenfätze. Er erkennt alles Geifiige als berechtigt an, er tötet den Kampf, er fürchtet die Intoleranz. Auch in religiöfen, ethifch-mythifchen Fragen fehlt ihm die entfchloflfene Stellungnahme. Er duldet den Prießer, der die Religiofität umpflügt, indem er ihre Vorfiellungen als Wahrheiten darßellt. Auch im Erziehungswefen fürchtet der Bürger die Auf* lehnung. So hat er für das Triebhafte der WandervogekBewegung fowie für die freie Schulgemeinde kein Verßändnis gezeigt/ Ein anderes Randproblem, das hier nur gefireift werden foll, bildet die Wertung der Frau. Bei der Bedeutung, die Blüher den Männerbünden gibt, iß feine Stellungnahme nicht zweifelhaft. Sie iß nur eine Konfequenz feiner Grundanfdiauung. Die Frau ift ungeifiig. Sie darf unter keinen limfiänden herrlchen. Die größten Leißungen in der Kultur find von den in der Gemeinlchafi ftehenden Männern gefchehen. Die angebliche Ebenbürtigkeit der Frau ifi eine Täufchung. Jede FrauenJnvafion in die Männerbünde ift abzulehnen. Im »Bund der Geifiigen«, einer feiner jüngfien Arbeiten, verfolgt Blüher die praktischen Konfequenzen feiner Denkrichtungen. Er fiellt Zweckverband und Männerbund einander gegenüber. Die Keimzelle des Männerbundes kann nicht ein einzelner, der Held, fondern die Kerngefellfchaft eines Bundes abgeben. Wenn bei dem Zweckverband das Programm als erfies da ifi und die Verbündung als zweites daraus folgt, fo will der Männerbund zuerfi dea Menfchen und dann das geifiige »Wie« diefes Menfchen.^

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