Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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KUTZINSKL DIE LEHREN BLÜHERS 37 betrachtet Aber ebenfo wenig wie bei allen verwandtfthaftfidien Merkmalen der Hunger und der Sexualtrieb zu identifizieren find, ebenfo wenig kann man diefen Trieb dem homofexuellen Trieb gleichfetzen. Will man aber diefe beiden Triebformen, wie Blüher es tut, unter dem gemeinfamen Begriff Eros zufammenfalfen, fo ßeht dem nichts im Wege. In den Schlußbetrachtungen über Eros und Logos gibt dann Blüher einige Icharf präzisierte Definitionen, die die materielle Sgite der fexueflen Frage nicht berückfichtigen. Eros ift die Be* jahung eines Menfchen, abgefehen von feinem Wert. Einen Men* fthen herausheben aus allen Wertbeziehungen, ihn bedingungslos bejahen, ift anderer Art als Luft und Unluft. Bei diefer Formulierung handelt es lieh um Wertkategorien, in die man Menfchen und Dinge einweiht. Eros iß, falls man an Stelle des Menfchen die Welt als Ganz* heit der Erfiheinungen fetzt, die Bejahung des Däferns, abgefehen von feinem Wert. Diefe Bejahung des JDafeins fchlechthin bildet einen Widerspruch zur Gottesidee der monotheiftifthen Religion, denn bei ihr iß der Gegenftand der Liebe ja gerade das vollkommenfte Wefen. Die Dinge des Eros find nicht geißig zu begründen. Irgend* einen Gegenßand deswegen bejahen, weil er eine Gefthidite hat oder weil er vernünftig ift, ift die erfte Form der Korruption des Denkens. Will man das Beftehende Ichützen, fo kann man es nicht, weil es gerichtlich geworden ift, fondern nur aus Gründen des Eros. Der Eros und die chriftliche Liebe find keine Gegenfätze im Sinne des Sinnlichen und Geiftigen. Der Grieche liebte die Triebe und blieb ihnen treu. Der Chrift verrät fie. Der Chrift liebt die Menfchheit, ein Abftraktum,- der Grieche den Menfihen. Der Grieche haßte feine Feinde,- fie zu lieben ift unwürdig und verlogen. Der Haß ift ein Wertträger erften Ranges und darum Ift es ein Mißgriff plumpfter Art, wenn das Chriftentum die Liebe predigt. Liebe und Hai) find eben da. Wer es mit der Liebe ernft meint, muß halfen können. Ergänzungen und Erweiterungen finden die hier aufgerollten Probleme in der Gegenüberftellung des intellektuellen und geiftigen Typus, Den geiftigen Typus entwickelt Blüher aus der Art feines Schaffens. Das plötzliche Herausgeriffenwerden aus dem Zufammen* hang bloß pjychifcher Reize, das Aufbäumen der Idee macht das eigentliche Wefen des Menfchen aus. Wen diefes Erlebnis voll* ftändig erfüllt, der ift ein geiftiger Menfih. Die Intellektuellen find im Grunde ihres Wefens unpromematifih. a Sie bilden das unendliche Heer der geiftigen Arbeiter. Sie benutzen die fchöpferifchen Formen zur Befriedigung menfdilicher Bequemlichkeitsgelüfte. Der intellektuelle Geiftesarbeiter ift nur eine (chlechte Variation jenes Grundzuftandes. So notwendig diefe technologifihen Menfchen find, fie bereichern die Kultur nicht- Ihr geiftiger Charakter ift peripher. Von ihnen ift nichts zu erwarten. Auch der Gelehrte, die andere Abart des intellektuellen Typus, verliert fich in Fachwiffenfchaft, d. h, »Flachwilfenfchaft«.