Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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36 KUTZINSKl DIE LEHREN BLÜHERS fo Schopenhauer und Weininger, Die folgende Stufe wird durch den Konflikt der beiden Einfiellungen diarakterifiert. Den Abfihfuß diefer Reihe bildet dann jener Typ, der zur Schaffung der männlichen Qefellfchaft führt. Sie Ichaffen Jugendbünde mit ihrer begeiferten Verherrlichung der Freundfihaft und des jungen männlichen Typus. Bei diefer Einteilung iß die Zahl der gleidigefchlechtlich Tendierenden natürlich eine erheblich größere. Beachtenswert iß, daß die mann« weibliche Einftellung im chrifilichen Europa herrfdiend iß. In der Antike war es umgekehrt. häufig zum Schaden der Sachlichkeit eine zu ßark polemilche Tendenz durchbricht. Gegenüber der plydiiatrifihen Wefenserfaffung der Homo« fexualttät prägt er folgende örundeigenfihaften des normalen »typus inverfus«: Er liebt das eigne Gefchlecht in derfelben Art und derfelben Beteiligung feines wefens wie der Frauenliebhaber das andre. Er iß keine gefpaltene Perfönlidikeit. Er iß in Geh gefchlolfen. Sein Wert bleibt unangetaßet durch feine Liebesrichtung. Er iß nicht ein Produkt der Kultur, ein Anhängfei, fondern er geht unmittelbar aus der Natur hervor und hat eine ihm typifch zukommende Funktion. Diefe liegt in der Gründung der mann* liehen Gefellfchaft, die wiederum die Gründungsinßanz der Männer* bünde iß. Er ßeht zum Weibe in genau demfelben Verhältnis wie der frauenliebende Mann zum Manne. Das Weib hat für ihn keinerlei erotifche Autorität und es käme ihm überhaupt nicht in den Sinn, daß man diefes Gefchlecht je lieben könne, wenn er es nicht zu feinem Erßaunen bei feinen Kameraden fähe. Bei dem »typus inverfus« handelt es (ich nicht um gelegene liehe foziäle Leißungen, fondern um das grundlegende foziale Er* eignis der menfchlichen Staatsbildung. Es handelt fich um eine Menfiheneinteilung in foziologifiher Abficht. Blüher zieht felbß die Analogie an den Bienen und Ameifen. Die männliche Gefellfihafi könnte keine allgemeine Wirkung auf alle Männer haben, wenn nicht alle Männer irgendwie eine entfernte Beziehung zur Inverfion hätten. Bei aller Sublimierung und Vergeißigung fehlt niemals die materielle Seite. x Der Eros befieht nicht in einem in der Luft ßhwebenden Geißigen allein. Auch der echte Familien* vater zeigt Inverfionszüge. Wie weit freilich dabei auch materielle Äußerungsformen auftreten, dafür wird von Blüher nur ein geringes Tatsachenmaterial angeführt. * Nach diefer Umgeßaltung der Begriffe iß das, was den Mann zum Mann treibt, dasielbe wie das, was ihn zum Weib treibt: die Sexualität. Blüher wendet fich gegen den üblichen Gegenfatz zwilchen dem Geifiigen der Freundfihaft und dem Frevelhafien der Liebe. Die Begründung der Freundfihafi durch das Bewußtfein iß nur eine Rattonalifierung des Unbewußten. Dem iß zuzufiimmen, wenn man auch die Freundfihafi äls etwas Elementares, Triebhafies,